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Zwischenfinanzierungsgrundschuld

Erfahren Sie, wie eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld kurzfristige Finanzierungslücken bei Immobilienprojekten rechtlich abgesichert überbrückt.

Inhaltsverzeichnis

Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld ist ein zentraler Begriff des deutschen Immobilien und Kreditsystems und verbindet das Grundpfandrecht der Grundschuld mit der zeitlich begrenzten Überbrückung eines Finanzierungsbedarfs. Sie dient dazu, eine Finanzierungslücke zu schließen, die entsteht, wenn ein langfristig gesicherter Zahlungszufluss noch aussteht, der Erwerb oder die Herstellung einer Immobilie jedoch bereits jetzt finanziert werden muss. In der Praxis tritt die Zwischenfinanzierungsgrundschuld vor allem bei Immobilienkäufen, Neubauten und Umfinanzierungen auf, bei denen Eigenkapital oder langfristige Darlehensmittel erst zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar werden.

Begriff und rechtliche Einordnung

Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld ist rechtlich betrachtet keine eigene, gesetzlich definierte Grundschuldart, sondern eine zweckgebundene Verwendung der Grundschuld im Rahmen einer Zwischenfinanzierung. Grundlage ist die im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelte Grundschuld als abstraktes Grundpfandrecht, das eine Immobilie zur Sicherung einer Geldforderung belastet. Die Bezeichnung Zwischenfinanzierungsgrundschuld ergibt sich aus dem wirtschaftlichen Zweck, nämlich der zeitlich begrenzten Überbrückung bis zum Eingang der endgültigen Finanzierung oder des erwarteten Eigenkapitals.

Während eine klassische Grundschuld häufig ein langfristiges Hypothekendarlehen sichert, ist die Zwischenfinanzierungsgrundschuld auf einen relativ kurzen Zeitraum ausgelegt. Sie wird zur Sicherung eines Darlehens bestellt, das nur übergangsweise benötigt wird und mit dem Eingang der endgültigen Finanzierung vollständig abgelöst werden soll. Dennoch unterliegt auch die Zwischenfinanzierungsgrundschuld den allgemeinen Regeln für Grundschulden, insbesondere hinsichtlich Eintragung, Rang, Verwertbarkeit und Löschung.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Grundschuld und Hypothek

Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld ist von der Hypothek und der regulären Grundschuld zu unterscheiden.

  • Grundschuld: Abstraktes Grundpfandrecht, das nicht automatisch mit einer konkreten Forderung verknüpft ist. Sie kann zur Sicherung verschiedener Forderungen verwendet werden.
  • Hypothek: Akzessorisches Grundpfandrecht, das unmittelbar an eine konkrete Forderung gebunden ist. Erlischt die Forderung, erlischt grundsätzlich auch die Hypothek.

Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld nutzt die Flexibilität der Grundschuld. Sie kann nach Ablösung der Zwischenfinanzierung häufig als Sicherheit für die nachfolgende langfristige Finanzierung weiterverwendet oder entsprechend umgewidmet werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur streng forderungsgebundenen Hypothek.

Zwischenfinanzierung ohne Grundschuld

Nicht jede Zwischenfinanzierung erfordert eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld. Kleinere Beträge können mit ungesicherten Kontokorrentkrediten, Abrufkrediten oder Privatdarlehen überbrückt werden. Sobald jedoch größere Summen und längere Zeiträume im Immobilienbereich betroffen sind, verlangen Kreditinstitute regelmäßig die Absicherung durch eine Grundschuld, die dann im Rahmen des konkreten Geschäfts als Zwischenfinanzierungsgrundschuld bezeichnet wird.

Zweck und typische Einsatzszenarien

Überbrückung bis zum Verkauf einer Bestandsimmobilie

Ein häufiges Anwendungsfeld der Zwischenfinanzierungsgrundschuld ist der Erwerb einer neuen Immobilie, während die bisherige Immobilie noch nicht verkauft ist. Der Eigentümer benötigt kurzfristig Liquidität für den Kaufpreis der neuen Immobilie, erwartet aber in absehbarer Zeit den Verkaufserlös der alten Immobilie.

In dieser Konstellation wird eine Zwischenfinanzierung gewährt, die durch eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld auf einer oder beiden Immobilien abgesichert wird. Mit Eingang des Verkaufserlöses wird das Zwischenfinanzierungsdarlehen zurückgeführt, die Zwischenfinanzierungsgrundschuld ganz oder teilweise gelöscht oder in eine langfristige Sicherungsgrundschuld umgewandelt.

Überbrückung bis zur Auszahlung langfristiger Darlehen

Auch bei Neubauvorhaben oder umfangreichen Modernisierungen kann es vorkommen, dass langfristige Förderdarlehen oder zinsgünstige Programme erst zu einem bestimmten Baufortschritt oder nach Vorlage bestimmter Nachweise ausgezahlt werden. Der Bauherr benötigt jedoch bereits früher liquide Mittel, etwa für Grundstückskauf, erste Bauabschnitte oder Anzahlungen.

In diesem Fall dient die Zwischenfinanzierungsgrundschuld der Absicherung eines kurzfristigen Kredits, der später durch die Auszahlung der langfristigen Darlehen abgelöst wird. Die Bank erhält durch die Zwischenfinanzierungsgrundschuld eine stabile Sicherheit, trotz der nur vorübergehenden Kreditbeziehung.

Überbrückung von Eigenkapitalzuflüssen

Eigenkapital kann aus verschiedenen Quellen zufließen, etwa aus fälligen Lebensversicherungen, Erbschaften, Bonuszahlungen oder Abfindungen. Wenn der Zeitpunkt der Fälligkeit feststeht, der Immobilienerwerb aber früher erfolgen soll, kann die Zwischenfinanzierungsgrundschuld den Zeitraum überbrücken, in dem das Eigenkapital noch nicht verfügbar ist.

Die Kreditinstitute bewerten in solchen Fällen die Sicherheit des künftigen Eigenkapitalzuflusses und kombinieren diese Einschätzung mit der dinglichen Absicherung durch die Zwischenfinanzierungsgrundschuld. So entsteht eine Mischstruktur aus persönlicher Bonität und dinglicher Sicherheit.

Rechtliche und formale Ausgestaltung

Bestellung der Zwischenfinanzierungsgrundschuld

Die Bestellung einer Zwischenfinanzierungsgrundschuld erfolgt formell wie jede andere Grundschuld. Erforderlich sind insbesondere:

  • Notarielle Beurkundung der Grundschuldbestellungsurkunde
  • Eintragung der Grundschuld im Grundbuch des belasteten Grundstücks
  • Bestimmung des Grundschuldbetrags einschließlich etwaiger Nebenleistungen wie Zinsen und Kosten
  • Vereinbarung der Sicherungszweckerklärung, die festlegt, welche Forderungen durch die Zwischenfinanzierungsgrundschuld gesichert werden

Die Sicherungszweckerklärung ist bei der Zwischenfinanzierungsgrundschuld von besonderer Bedeutung, weil sie festlegt, dass die Grundschuld zunächst die Zwischenfinanzierung sichert und gegebenenfalls später auch andere Forderungen, etwa das anschließende Annuitätendarlehen.

Rang im Grundbuch

Der Rang der Zwischenfinanzierungsgrundschuld im Grundbuch entscheidet darüber, in welcher Reihenfolge Gläubiger bei einer Zwangsversteigerung befriedigt werden. Für Kreditinstitute ist ein vorrangiger Rang entscheidend, weil er das Risiko von Ausfällen verringert. In der Praxis wird häufig angestrebt, die Zwischenfinanzierungsgrundschuld im ersten Rang zu platzieren oder vorhandene Grundschulden entsprechend anzupassen.

Bei bereits belasteten Grundstücken kann die Zwischenfinanzierungsgrundschuld durch Rangrücktritt, Teilabtretung oder Umwidmung bestehender Grundschulden realisiert werden. Diese Gestaltungen erfordern sorgfältige Abstimmung zwischen den beteiligten Banken und dem Eigentümer.

Valutierung und Abruf

Die Auszahlung des durch die Zwischenfinanzierungsgrundschuld gesicherten Kredits erfolgt meist in einer Summe oder in wenigen größeren Tranchen. Anders als bei klassischen Baukrediten, die nach Baufortschritt abgerufen werden, steht bei der Zwischenfinanzierung häufig der schnelle Zugriff auf den Gesamtbetrag im Vordergrund, etwa zur fristgerechten Zahlung eines Kaufpreises.

Die Bank prüft vor Valutierung die Eintragung der Zwischenfinanzierungsgrundschuld, die Rangverhältnisse und die Einhaltung etwaiger Auszahlungsvoraussetzungen. Erst danach erfolgt die Bereitstellung der Mittel auf dem Konto des Kreditnehmers oder direkt an den Verkäufer der Immobilie.

Wirtschaftliche Bedeutung und Funktion

Liquiditätssteuerung

Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld ist ein Instrument der Liquiditätssteuerung im Immobilienbereich. Sie ermöglicht es, zeitliche Diskrepanzen zwischen Zahlungsabflüssen und Zahlungseingängen auszugleichen. Dadurch werden Immobilientransaktionen, Bauvorhaben und Umfinanzierungen planbar, obwohl bestimmte Mittel erst später verfügbar sind.

Ohne die Möglichkeit, eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld zu nutzen, müssten viele Käufer entweder auf den Abschluss von Kaufverträgen verzichten oder riskante ungesicherte Zwischenfinanzierungen eingehen. Die dingliche Besicherung schafft Vertrauen und reduziert das Risiko für beide Seiten.

Risikomanagement der Kreditinstitute

Für Banken stellt die Zwischenfinanzierungsgrundschuld ein zentrales Instrument des Risikomanagements dar. Sie verknüpft die kurzfristige Kreditvergabe mit einer stabilen, verwertbaren Sicherheit. Selbst wenn der erwartete Eigenkapitalzufluss oder der Verkaufserlös ausbleibt, kann die Bank im Extremfall die Immobilie verwerten und so einen Großteil der Forderung realisieren.

Gleichzeitig erlaubt die Zwischenfinanzierungsgrundschuld eine flexible Gestaltung von Kreditlinien. Banken können Zwischenfinanzierungen gewähren, ohne langfristig Kapital zu binden, da die Kredite bei Eintritt der Endfinanzierung abgelöst werden. Dies verbessert die Steuerung der eigenen Bilanzstruktur.

Bedeutung für Immobilienmärkte

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene trägt die Zwischenfinanzierungsgrundschuld zur Funktionsfähigkeit der Immobilienmärkte bei. Sie erleichtert Kettenverkäufe, bei denen der Verkauf einer Immobilie den Kauf einer anderen finanziert, und verhindert, dass Transaktionen an zeitlichen Überschneidungen scheitern. Zudem unterstützt sie die Umsetzung von Neubauprojekten, die auf gestaffelte Zahlungsströme angewiesen sind.

Vertragsgestaltung und Konditionen

Zinsen und Laufzeit

Die Konditionen eines durch eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld gesicherten Darlehens unterscheiden sich typischerweise von langfristigen Immobilienkrediten. Charakteristisch sind:

  • Kürzere Laufzeiten, meist wenige Monate bis maximal wenige Jahre
  • Variabler oder fester Zinssatz, der oft etwas höher liegt als bei langfristigen Darlehen, da die Bank den administrativen Aufwand auf eine kurze Zeitspanne verteilt
  • Zinszahlung häufig nur auf den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag

Die genaue Ausgestaltung hängt von der Bonität des Kreditnehmers, der Qualität der Sicherheiten und der erwarteten Dauer der Zwischenfinanzierung ab. Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld selbst beeinflusst den Zinssatz, indem sie das Ausfallrisiko reduziert.

Tilgung und Ablösung

In vielen Fällen werden Zwischenfinanzierungen endfällig gestaltet. Während der Laufzeit zahlt der Kreditnehmer lediglich Zinsen. Die Tilgung erfolgt in einer Summe, sobald der erwartete Zahlungseingang eintrifft, etwa der Verkaufserlös einer Immobilie oder die Auszahlung einer Lebensversicherung. Alternativ können auch laufende Tilgungen vereinbart werden, wenn bereits während der Zwischenfinanzierung regelmäßige Mittel zur Verfügung stehen.

Die Ablösung der Zwischenfinanzierung führt nicht automatisch zur Löschung der Zwischenfinanzierungsgrundschuld. Häufig wird sie in eine Sicherungsgrundschuld für das anschließende Annuitätendarlehen umgewandelt. Dies spart Notar und Grundbuchkosten, weil keine neue Grundschuld bestellt werden muss.

Sicherungszweckerklärung

Die Sicherungszweckerklärung konkretisiert die Beziehung zwischen der Zwischenfinanzierungsgrundschuld und den gesicherten Forderungen. Typische Inhalte sind:

  • Bezeichnung des Zwischenfinanzierungsdarlehens
  • Möglichkeit der Sicherung weiterer Forderungen desselben Kreditinstituts
  • Regelungen zur Freigabe oder Löschung der Grundschuld nach Tilgung
  • Vereinbarungen zu Kosten, Zinsen und Verwertung

Für den Kreditnehmer ist es wichtig zu verstehen, dass die Zwischenfinanzierungsgrundschuld aufgrund der Sicherungszweckerklärung auch nach Ablösung der Zwischenfinanzierung bestehen bleiben kann, sofern sie weiterhin andere Forderungen sichert.

Praktische Abläufe und Beispiele

Beispiel Immobilienwechsel

Eine Person verkauft ihr bisheriges Haus und erwirbt gleichzeitig eine neue Wohnung. Der Kaufvertrag für die neue Wohnung sieht eine kurzfristige Fälligkeit des Kaufpreises vor, während der Kaufvertrag für das alte Haus eine spätere Zahlung vorsieht. Um diese Zeitdifferenz zu überbrücken, nimmt sie eine Zwischenfinanzierung auf, die durch eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld auf der neuen Wohnung abgesichert wird.

Die Bank zahlt den Kaufpreis an den Verkäufer der Wohnung aus. Einige Monate später fließt der Verkaufserlös des alten Hauses zu, mit dem die Zwischenfinanzierung abgelöst wird. Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld bleibt bestehen und sichert nun ein langfristiges Darlehen, das die Restfinanzierung der Wohnung abdeckt.

Beispiel Neubau mit Fördermitteln

Ein Bauträger errichtet ein Mehrfamilienhaus und erhält die Zusage für langfristige Förderdarlehen, die jedoch erst nach Fertigstellung bestimmter Bauabschnitte ausgezahlt werden. Um den frühen Erwerb des Grundstücks und die ersten Bauleistungen zu bezahlen, nimmt er ein Zwischenfinanzierungsdarlehen auf, das durch eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld auf dem Baugrundstück gesichert wird.

Mit jeder Auszahlung der Förderdarlehen wird ein Teil der Zwischenfinanzierung getilgt. Am Ende des Projekts ist die Zwischenfinanzierung vollständig abgelöst. Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld kann gelöscht oder zur Sicherung von Restdarlehen weiterverwendet werden.

Chancen und Risiken für Kreditnehmer

Vorteile der Zwischenfinanzierungsgrundschuld

  • Planungssicherheit: Der Kreditnehmer kann Kauf oder Bau einer Immobilie zeitlich flexibel gestalten, ohne auf die exakte Synchronisation von Zahlungsströmen angewiesen zu sein.
  • Kostenvorteile: Durch die Nutzung einer Zwischenfinanzierungsgrundschuld können bestehende Grundschulden weiterverwendet oder angepasst werden, was Notar und Grundbuchkosten reduziert.
  • Verhandlungsspielraum: Verkäufer akzeptieren häufig bessere Konditionen, wenn der Käufer eine gesicherte Finanzierung nachweisen kann, die durch eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld abgesichert ist.

Risiken und Sorgfaltspflichten

Trotz ihrer Vorteile birgt die Zwischenfinanzierungsgrundschuld auch Risiken, die Kreditnehmer beachten sollten.

  • Zinsrisiko: Zwischenfinanzierungen können mit höheren Zinssätzen verbunden sein. Verzögert sich der erwartete Zahlungseingang, steigen die Zinskosten.
  • Marktrisiko: Bleibt der Verkauf einer Immobilie hinter den Erwartungen zurück oder sinken die erzielbaren Preise, kann die Ablösung der Zwischenfinanzierung schwieriger werden.
  • Verwertungsrisiko: Im Extremfall kann die Bank die durch die Zwischenfinanzierungsgrundschuld belastete Immobilie verwerten, wenn der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.

Eine sorgfältige Planung der Zeitabläufe, realistische Einschätzungen von Verkaufserlösen und eine klare Kommunikation mit dem Kreditinstitut sind daher unerlässlich, um die mit der Zwischenfinanzierungsgrundschuld verbundenen Risiken zu begrenzen.

Besonderheiten im Vergleich zu langfristigen Grundschulddarlehen

Kurzfristiger Charakter

Der wesentliche Unterschied zwischen einer Zwischenfinanzierungsgrundschuld und einer klassischen Sicherungsgrundschuld für ein Annuitätendarlehen liegt im Zeithorizont. Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld sichert ein kurzfristiges Überbrückungsdarlehen, das auf schnelle Ablösung angelegt ist. Dies beeinflusst sowohl die Vertragsgestaltung als auch die wirtschaftliche Betrachtung.

Während langfristige Darlehen auf die dauerhafte Nutzung einer Immobilie und den schrittweisen Vermögensaufbau ausgerichtet sind, dient die Zwischenfinanzierungsgrundschuld primär der Überbrückung einer Übergangsphase. Ihre Existenz ist in vielen Fällen nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer stabilen, langfristigen Finanzierungsstruktur.

Flexibilität und Umwidmung

Ein weiterer Unterschied besteht in der Flexibilität der Verwendung. Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld kann nach Ablösung der Zwischenfinanzierung inhaltlich umgewidmet werden, indem die Sicherungszweckerklärung angepasst und die Grundschuld zur Sicherung anderer Forderungen verwendet wird. Dies ist ein wesentlicher Vorteil der abstrakten Grundschuldstruktur.

In der Praxis bedeutet dies, dass eine einmal bestellte Zwischenfinanzierungsgrundschuld nicht zwangsläufig gelöscht werden muss, sondern als Instrument der langfristigen Finanzierung weiterdient. Dadurch lassen sich Transaktionskosten senken und Abläufe beschleunigen.

Bedeutung im Kontext von Beratung und Vertragsprüfung

Rolle von Notaren und Beratern

Die Bestellung einer Zwischenfinanzierungsgrundschuld erfordert eine notarielle Beurkundung. Der Notar erläutert den Beteiligten die rechtlichen Wirkungen der Grundschuld, die Bedeutung des Grundbuchrangs und die Inhalte der Grundschuldbestellungsurkunde. Dabei ist zu beachten, dass die wirtschaftlichen Konditionen des Zwischenfinanzierungsdarlehens meist in separaten Kreditverträgen geregelt werden.

Rechtsanwälte, Steuerberater und unabhängige Finanzberater können Kreditnehmer dabei unterstützen, die langfristigen Folgen einer Zwischenfinanzierungsgrundschuld zu verstehen. Dazu gehört insbesondere die Frage, ob und in welchem Umfang die Grundschuld nach Ablösung der Zwischenfinanzierung weiterbestehen und andere Forderungen sichern soll.

Verständnis der Vertragsunterlagen

Für Kreditnehmer ist es wichtig, die verschiedenen Dokumente, die mit einer Zwischenfinanzierungsgrundschuld verbunden sind, auseinanderzuhalten.

  • Grundschuldbestellungsurkunde regelt die dingliche Belastung des Grundstücks
  • Sicherungszweckerklärung definiert, welche Forderungen durch die Grundschuld gesichert werden
  • Kreditvertrag legt die Konditionen des Zwischenfinanzierungsdarlehens fest

Nur das Zusammenspiel dieser Dokumente ergibt das vollständige Bild der Rechte und Pflichten, die mit der Zwischenfinanzierungsgrundschuld verbunden sind. Eine sorgfältige Lektüre und gegebenenfalls fachkundige Erläuterung sind daher empfehlenswert.

Zusammenfassende Einordnung

Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld ist ein spezialisiertes, aber in der Praxis äußerst bedeutsames Instrument des Immobilien und Kreditrechts. Sie verbindet die rechtliche Struktur der Grundschuld mit dem wirtschaftlichen Bedürfnis, zeitlich begrenzte Finanzierungslücken beim Erwerb, Bau oder der Umschuldung von Immobilien zu schließen. Ihre Besonderheit liegt nicht in einer eigenständigen gesetzlichen Norm, sondern in der Kombination aus abstrakter Grundschuld und zweckgebundener Sicherungszweckerklärung.

In ihrer Funktion ermöglicht die Zwischenfinanzierungsgrundschuld die flexible Gestaltung komplexer Finanzierungsabläufe, vom Kettenverkauf über den Neubau mit gestaffelten Fördermitteln bis hin zur Vorfinanzierung künftigen Eigenkapitals. Sie schafft Planungssicherheit für Kreditnehmer und reduziert das Risiko für Kreditinstitute, indem sie eine verwertbare dingliche Sicherheit bereitstellt. Zugleich erfordert sie von allen Beteiligten ein hohes Maß an Sorgfalt bei der Vertragsgestaltung, der Bewertung von Zeitabläufen und der Einschätzung künftiger Zahlungsströme.

Wer Immobilientransaktionen plant, bei denen Zahlungen aus Verkäufen, Förderprogrammen oder sonstigen Quellen zeitlich versetzt zufließen, wird häufig mit der Zwischenfinanzierungsgrundschuld konfrontiert. Ein grundlegendes Verständnis dieses Instruments erleichtert die Beurteilung von Angeboten, die Kommunikation mit Banken und Notaren und die Einschätzung der eigenen finanziellen Verpflichtungen. Damit trägt die Zwischenfinanzierungsgrundschuld nicht nur zur technischen Abwicklung von Finanzierungen bei, sondern auch zu einer transparenten und verlässlichen Struktur des Immobilienmarktes insgesamt.

Häufige Fragen zu „Zwischenfinanzierungsgrundschuld“

Eine Zwischenfinanzierungsgrundschuld ist eine Grundschuld, die als Sicherheit für ein kurzfristiges Darlehen dient, bis eine endgültige Finanzierung steht. Sie wird häufig genutzt, wenn zum Beispiel ein Hauskauf schon bezahlt werden muss, die langfristige Baufinanzierung oder ein fälliger Bausparvertrag aber noch nicht bereitsteht.

Sie wird benötigt, wenn zwischen dem Zahlungszeitpunkt für eine Immobilie und der Auszahlung der endgültigen Finanzierung eine zeitliche Lücke entsteht. Typische Fälle sind der Verkauf einer alten Immobilie mit späterem Zahlungseingang oder ein Bausparvertrag, der noch nicht zuteilungsreif ist.

Die Zwischenfinanzierungsgrundschuld dient nur zur Absicherung eines kurzfristigen Übergangskredits, während eine normale Grundschuld in der Regel für die langfristige Baufinanzierung genutzt wird. Außerdem wird die Zwischenfinanzierung meist mit variablen oder höheren Zinsen versehen und wieder gelöscht oder abgelöst, sobald die endgültige Finanzierung steht.

Es fallen Zinsen für das Zwischenfinanzierungsdarlehen an sowie Notar und Grundbuchkosten für die Eintragung der Grundschuld. Je nach Bank können zusätzlich Bearbeitungsgebühren oder Bereitstellungszinsen hinzukommen, wenn der Kreditrahmen nicht sofort vollständig genutzt wird.

Sobald die endgültige Finanzierung oder das erwartete Geld, zum Beispiel aus einem Immobilienverkauf oder Bausparvertrag, zur Verfügung steht, wird damit das Zwischenfinanzierungsdarlehen zurückgezahlt. Anschließend wird die Zwischenfinanzierungsgrundschuld entweder gelöscht oder in eine langfristige Grundschuld umgewandelt, je nach Vereinbarung mit der Bank.

Kersten Streit, Leitung Immobilienvermittlung, Immobilien Experten
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