ZweckerklÀrung weite Fassung
Inhaltsverzeichnis
Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung ist ein juristischer Fachbegriff aus dem Kreditsicherungsrecht und bezeichnet eine Form der Zweckbestimmung bei Sicherheiten, insbesondere bei Grundschulden und BĂŒrgschaften, bei der die Sicherheit nicht nur einen einzelnen Kredit, sondern einen umfassenden Kreis gegenwĂ€rtiger und zukĂŒnftiger Forderungen des GlĂ€ubigers absichern soll. In der Praxis wird die ZweckerklĂ€rung weite Fassung vor allem von Banken und anderen Kreditgebern verwendet, um eine möglichst flexible und langfristige Absicherung ihrer AnsprĂŒche zu erreichen. Sie ist damit ein zentrales Instrument der modernen Kreditpraxis und zugleich Gegenstand intensiver rechtlicher Bewertung, weil sie in einem SpannungsverhĂ€ltnis zwischen Sicherungsinteresse des GlĂ€ubigers und SchutzbedĂŒrfnis des Sicherungsgebers steht.
Begriff und rechtliche Einordnung
Unter einer ZweckerklĂ€rung versteht man eine Vereinbarung zwischen Sicherungsgeber und Sicherungsnehmer, in der festgelegt wird, welche Forderungen durch eine bestimmte Sicherheit abgesichert werden sollen. Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung ist eine besondere Ausgestaltung dieser Vereinbarung, bei der der Zweck der Sicherheit sehr umfassend formuliert ist. WĂ€hrend eine enge ZweckerklĂ€rung nur genau bezeichnete Forderungen erfasst, etwa ein bestimmtes Darlehen mit festgelegter Kreditsumme, erstreckt sich die ZweckerklĂ€rung weite Fassung regelmĂ€Ăig auf alle bestehenden, kĂŒnftigen und bedingten Forderungen aus der gesamten GeschĂ€ftsverbindung zwischen den Parteien.
Rechtlich ist die ZweckerklĂ€rung weite Fassung als schuldrechtliche Nebenabrede zu qualifizieren, die das InnenverhĂ€ltnis zwischen GlĂ€ubiger und Sicherungsgeber ausgestaltet. Sie bestimmt, in welchem Umfang der GlĂ€ubiger die Sicherheit verwerten darf und inwieweit der Sicherungsgeber nach Tilgung einzelner Forderungen einen Anspruch auf Freigabe oder RĂŒckĂŒbertragung der Sicherheit hat. Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung ist damit ein maĂgeblicher AuslegungsschlĂŒssel fĂŒr die Reichweite der Sicherungsabrede und beeinflusst sowohl die wirtschaftliche Belastung des Sicherungsgebers als auch den Umfang der Befriedigungsmöglichkeiten des GlĂ€ubigers.
Typische Anwendungsbereiche
Grundschulden und Hypothekensicherheiten
Im Bereich der Immobiliarsicherheiten wird die ZweckerklĂ€rung weite Fassung hĂ€ufig im Zusammenhang mit Grundschulden verwendet. Die Grundschuld ist als abstraktes Sicherungsrecht ausgestaltet und besteht rechtlich unabhĂ€ngig von der gesicherten Forderung. Erst durch die ZweckerklĂ€rung wird festgelegt, welche Forderungen durch die Grundschuld tatsĂ€chlich gesichert sind. In der Praxis formulieren Banken die ZweckerklĂ€rung oft so, dass sĂ€mtliche Forderungen aus der gesamten GeschĂ€ftsverbindung mit dem Kunden erfasst werden, einschlieĂlich zukĂŒnftiger Kredite, Kontokorrentverbindlichkeiten, Avale und etwaiger Ersatzforderungen.
Dadurch kann eine einmal bestellte Grundschuld ĂŒber einen langen Zeitraum als Sicherungsrahmen fĂŒr verschiedenste Kreditprodukte dienen. Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung ermöglicht es dem Kreditinstitut, ohne erneute Bestellung einer Sicherheit neue Kredite auf Grundlage der bereits bestehenden Grundschuld zu gewĂ€hren. Dies vereinfacht die Abwicklung und spart Kosten, fĂŒhrt jedoch auf Seiten des Sicherungsgebers zu einer erhöhten und teils schwer ĂŒberschaubaren Haftungsmasse.
BĂŒrgschaften und sonstige Personalsicherheiten
Auch bei BĂŒrgschaften und anderen Personalsicherheiten kommt die ZweckerklĂ€rung weite Fassung vor. Ein BĂŒrge kann sich nicht nur fĂŒr eine einzelne Forderung, sondern fĂŒr alle gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Forderungen eines GlĂ€ubigers gegen den Hauptschuldner verbĂŒrgen. Eine entsprechend formulierte ZweckerklĂ€rung bewirkt, dass die BĂŒrgschaft als GlobalbĂŒrgschaft oder HöchstbetragsbĂŒrgschaft mit weitem Sicherungszweck ausgestaltet ist. Der BĂŒrge trĂ€gt damit das Risiko, dass sich der gesicherte Forderungskreis weit ĂŒber die ursprĂŒnglich erwartete Verbindlichkeit hinaus ausdehnt.
In diesem Kontext ist die ZweckerklĂ€rung weite Fassung besonders sensibel, weil sie die persönliche Haftung des BĂŒrgen unter UmstĂ€nden auf eine kaum kalkulierbare Gesamtheit von Forderungen erstreckt. Dies hat zur Folge, dass Gerichte und Rechtsprechung strenge Anforderungen an Transparenz, VerstĂ€ndlichkeit und Angemessenheit solcher Klauseln stellen, insbesondere wenn es sich um VerbraucherbĂŒrgen handelt.
Inhaltliche Ausgestaltung
Typische Formulierungen
Die ZweckerklÀrung weite Fassung zeichnet sich durch eine weit gefasste Formulierung des Sicherungszwecks aus. Typische Elemente sind die Einbeziehung
- aller bestehenden Forderungen aus der GeschÀftsverbindung
- aller kĂŒnftigen Forderungen, auch solcher aus spĂ€ter abgeschlossenen VertrĂ€gen
- bedingter und befristeter Forderungen
- SchadensersatzansprĂŒche und Ersatzforderungen
- Nebenforderungen wie Zinsen, Kosten und GebĂŒhren
Eine beispielhafte ZweckerklĂ€rung weite Fassung könnte lauten, dass die Sicherheit alle gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen, auch bedingten oder befristeten Forderungen des Kreditinstituts aus der GeschĂ€ftsverbindung mit dem Kunden absichert. Durch diese umfassende Formulierung wird der Sicherungszweck nicht auf einzelne KreditvertrĂ€ge begrenzt, sondern auf eine offene GeschĂ€ftsbeziehung erstreckt.
Abgrenzung zur engen ZweckerklÀrung
Die Abgrenzung zwischen weiter und enger Fassung ist entscheidend fĂŒr das VerstĂ€ndnis der ZweckerklĂ€rung weite Fassung. Eine enge ZweckerklĂ€rung benennt konkret
- den einzelnen Kreditvertrag
- die Darlehenssumme
- den Zweck des Kredits
- gegebenenfalls Laufzeit und TilgungsmodalitÀten
Die Sicherheit haftet dann nur fĂŒr diese genau bestimmte Forderung. Im Gegensatz dazu verzichtet die ZweckerklĂ€rung weite Fassung auf eine solche detaillierte Eingrenzung und knĂŒpft an die gesamte GeschĂ€ftsverbindung an. Diese Abstraktion erleichtert dem GlĂ€ubiger die Handhabung, erschwert aber dem Sicherungsgeber die genaue EinschĂ€tzung seines Risikos.
Funktionen und Ziele
Interessen des GlÀubigers
Aus Sicht des GlĂ€ubigers dient die ZweckerklĂ€rung weite Fassung der umfassenden Absicherung sĂ€mtlicher Kreditengagements gegenĂŒber einem Kunden. Wesentliche Ziele sind
- Verringerung des administrativen Aufwands, da nicht fĂŒr jeden neuen Kredit eine gesonderte Sicherheit bestellt werden muss
- Erhöhung der FlexibilitÀt bei der Kreditvergabe, insbesondere im Rahmen laufender GeschÀftsbeziehungen
- StĂ€rkung der Verhandlungsposition, weil eine bestehende Sicherheit fĂŒr zusĂ€tzliche Kreditlinien herangezogen werden kann
- Minimierung des Ausfallrisikos durch Zugriff auf eine umfassende Sicherungsmasse
Die ZweckerklÀrung weite Fassung ist damit ein wichtiges Instrument im Risikomanagement von Banken und anderen Kreditgebern. Sie ermöglicht es, Kreditportfolios effizient zu strukturieren und Sicherheiten wirtschaftlich zu nutzen.
Auswirkungen fĂŒr den Sicherungsgeber
FĂŒr den Sicherungsgeber bedeutet die ZweckerklĂ€rung weite Fassung eine weitreichende Bindung. Seine Immobilie oder seine persönliche Haftung kann fĂŒr Forderungen in Anspruch genommen werden, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der ZweckerklĂ€rung noch gar nicht absehbar waren. Dies kann zu folgenden Konsequenzen fĂŒhren
- eingeschrÀnkte Möglichkeit, die belastete Sicherheit anderweitig zu verwenden
- erhöhte Verschuldungsgefahr, weil weitere Kredite auf die bestehende Sicherheit aufgesetzt werden
- erschwerte Kalkulation des persönlichen Risikoprofils
- mögliche Konflikte mit Mitverpflichteten wie Ehegatten oder MiteigentĂŒmern
Die ZweckerklÀrung weite Fassung verlangt daher vom Sicherungsgeber ein hohes Maà an Aufmerksamkeit und VerstÀndnis. Insbesondere Verbraucher und nicht gewerblich tÀtige Sicherungsgeber sind auf klare und transparente ErlÀuterungen angewiesen, um die Tragweite ihrer ErklÀrung zu erfassen.
Rechtliche Grenzen und Kontrolle
Transparenzanforderungen
Die Verwendung der ZweckerklĂ€rung weite Fassung unterliegt der Inhaltskontrolle nach dem Recht der Allgemeinen GeschĂ€ftsbedingungen, sofern standardisierte Vertragsformulare eingesetzt werden. Gerichte prĂŒfen, ob die Klauseln fĂŒr einen durchschnittlichen Vertragspartner verstĂ€ndlich sind und ob sie diesen unangemessen benachteiligen. Unklare oder missverstĂ€ndliche Formulierungen können dazu fĂŒhren, dass die Reichweite der Sicherheit im Zweifel enger ausgelegt oder einzelne Klauseln fĂŒr unwirksam erklĂ€rt werden.
Transparenz bedeutet insbesondere, dass der Sicherungsgeber erkennen können muss, dass nicht nur der aktuell gewÀhrte Kredit, sondern die gesamte GeschÀftsverbindung erfasst wird. Die ZweckerklÀrung weite Fassung muss daher sprachlich so gestaltet sein, dass sie den umfassenden Sicherungszweck deutlich zum Ausdruck bringt. Versteckte oder verschleierte Erweiterungen des Sicherungszwecks sind rechtlich problematisch.
Schutz des Verbrauchers
Wenn die ZweckerklĂ€rung weite Fassung gegenĂŒber Verbrauchern verwendet wird, greifen zusĂ€tzliche Schutzmechanismen. Verbraucherschutzrechtliche Vorschriften verlangen eine besondere RĂŒcksichtnahme auf die InformationsbedĂŒrfnisse und die wirtschaftliche Unerfahrenheit privater Sicherungsgeber. Klauseln, die den Verbraucher in eine unĂŒberschaubare Haftung fĂŒhren, können als unangemessen angesehen werden.
In der Praxis kann dies bedeuten, dass eine ZweckerklĂ€rung weite Fassung fĂŒr bestimmte Personengruppen, etwa wirtschaftlich unerfahrene Angehörige, nur eingeschrĂ€nkt wirksam ist oder einer strengen gerichtlichen Kontrolle unterliegt. Die AbwĂ€gung zwischen Vertragsfreiheit und SchutzbedĂŒrfnis des Sicherungsgebers spielt hierbei eine zentrale Rolle.
Auslegung und Streitfragen
Ermittlung des Sicherungsumfangs
In StreitfĂ€llen kommt es hĂ€ufig darauf an, welche konkreten Forderungen von der ZweckerklĂ€rung weite Fassung erfasst sind. MaĂgeblich ist dabei die Auslegung der vertraglichen Regelung nach den allgemeinen AuslegungsgrundsĂ€tzen. Entscheidend ist, wie ein verstĂ€ndiger Vertragspartner die ErklĂ€rung nach Treu und Glauben und unter BerĂŒcksichtigung der Verkehrssitte verstehen durfte. Unklarheiten gehen bei vorformulierten Klauseln in der Regel zulasten des Verwenders.
Die Auslegung betrifft vor allem Fragen wie
- ob auch Forderungen aus völlig neuen, spĂ€ter eingefĂŒhrten Produktarten erfasst sind
- ob Forderungen aus deliktischem Verhalten unter die ZweckerklÀrung fallen
- ob Forderungen aus der GeschÀftsverbindung mit verbundenen Unternehmen eingeschlossen sind
- ob eine zeitliche Begrenzung des Sicherungszwecks anzunehmen ist
Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung ist daher nicht nur ein formaler Begriff, sondern Gegenstand einer differenzierten rechtlichen WĂŒrdigung im Einzelfall.
Beziehung zu Drittinteressen
Die Reichweite der ZweckerklĂ€rung weite Fassung kann auch mit Rechten Dritter kollidieren, etwa mit nachrangigen GlĂ€ubigern oder MiteigentĂŒmern. Wenn eine Immobilie durch eine weite ZweckerklĂ€rung umfassend belastet ist, reduziert dies den freien Beleihungsraum fĂŒr weitere Sicherungsnehmer. DrittglĂ€ubiger mĂŒssen sich daran orientieren, welchen Rang und welchen Umfang bestehende Sicherheiten haben, um ihre eigene Risikoposition einschĂ€tzen zu können.
In der Praxis ist es daher ĂŒblich, dass die Beteiligten AuskĂŒnfte ĂŒber bestehende Sicherungszwecke einholen. Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung wirkt sich damit mittelbar auf die KreditwĂŒrdigkeit und Finanzierungsmöglichkeiten des Sicherungsgebers gegenĂŒber anderen GlĂ€ubigern aus.
Wirtschaftliche Bedeutung
Rolle im Kreditwesen
Im modernen Kreditwesen trÀgt die ZweckerklÀrung weite Fassung zur Standardisierung und Rationalisierung der Sicherheitenpraxis bei. Banken können mit Hilfe solcher ZweckerklÀrungen langfristige Kundenbeziehungen aufbauen, bei denen die Sicherheiten flexibel zur Unterlegung unterschiedlicher Kreditprodukte eingesetzt werden. Dies erleichtert insbesondere
- Rahmenkreditvereinbarungen
- Kontokorrentlinien
- Prolongationen und Umschuldungen
- die Kombination verschiedener Finanzierungsinstrumente
Durch die BĂŒndelung der Sicherungszwecke in einer einheitlichen ErklĂ€rung lassen sich Verwaltungsaufwand und Kosten reduzieren. Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung ist damit ein Baustein fĂŒr effiziente Kreditprozesse und einheitliche Sicherheitenkonzepte innerhalb von Kreditinstituten.
Risiken und Chancen fĂŒr Kreditnehmer
FĂŒr Kreditnehmer und Sicherungsgeber ergeben sich aus der ZweckerklĂ€rung weite Fassung sowohl Risiken als auch potenzielle Vorteile. Auf der einen Seite kann die Bereitschaft der Bank, zusĂ€tzliche Kredite zu gewĂ€hren, steigen, wenn eine weitreichende Sicherheit bereits besteht. Auf der anderen Seite erhöht sich die Gefahr, dass die gesamte Sicherungsmasse bei Zahlungsschwierigkeiten in Anspruch genommen wird, auch wenn nur ein Teil der Kredite tatsĂ€chlich notleidend ist.
Die wirtschaftliche Bewertung der ZweckerklÀrung weite Fassung hÀngt daher wesentlich von der individuellen Finanzsituation, der Planungssicherheit und der Verhandlungsmacht des Sicherungsgebers ab.
Wer ĂŒber eine stabile Einkommensbasis und klare Finanzplanung verfĂŒgt, kann die FlexibilitĂ€t einer weiten ZweckerklĂ€rung gezielt nutzen. Wer hingegen nur begrenzte Reserven hat, sollte die mit einer solchen ErklĂ€rung verbundenen Haftungsrisiken besonders sorgfĂ€ltig prĂŒfen.
Gestaltung und Verhandlung
Möglichkeiten der Begrenzung
Obwohl die ZweckerklÀrung weite Fassung hÀufig als Standardklausel in Vertragsformularen erscheint, besteht grundsÀtzlich die Möglichkeit, den Sicherungszweck individuell zu begrenzen. Typische Begrenzungsmechanismen sind
- Festlegung eines Höchstbetrags, bis zu dem die Sicherheit haftet
- EinschrÀnkung auf bestimmte Kreditarten oder konkrete VertrÀge
- zeitliche Begrenzung der Sicherungsabrede
- Ausschluss bestimmter zukĂŒnftiger Forderungen
In der Praxis hĂ€ngt die Verhandelbarkeit solcher Begrenzungen von der Verhandlungssituation ab. Gewerbliche Kreditnehmer mit gröĂerem Finanzvolumen haben hĂ€ufig bessere Chancen, Modifikationen der ZweckerklĂ€rung weite Fassung zu erreichen als private Verbraucher. Gleichwohl ist es auch fĂŒr Verbraucher ratsam, nachzufragen, ob eine engere Fassung des Sicherungszwecks möglich ist.
AufklÀrung und Beratung
Die Bedeutung der ZweckerklÀrung weite Fassung erfordert eine sorgfÀltige AufklÀrung durch den GlÀubiger oder durch beratende Dritte. Eine verstÀndliche ErlÀuterung des Umfangs und der Folgen der ZweckerklÀrung kann dazu beitragen, spÀtere Streitigkeiten zu vermeiden. Insbesondere sollte verdeutlicht werden
- welche bestehenden Forderungen bereits erfasst sind
- welche Arten zukĂŒnftiger Forderungen einbezogen werden können
- unter welchen Voraussetzungen die Sicherheit wieder freigegeben wird
- welche alternativen Sicherungsmodelle in Betracht kommen
Eine transparente Kommunikation stÀrkt das Vertrauen zwischen den Parteien und trÀgt dazu bei, dass die ZweckerklÀrung weite Fassung als bewusst eingegangene und verstandene Verpflichtung wahrgenommen wird.
Beendigung und Freigabe
Voraussetzungen fĂŒr die RĂŒckĂŒbertragung
Die Beendigung der Sicherungsabrede richtet sich maĂgeblich nach dem in der ZweckerklĂ€rung weite Fassung festgelegten Zweck. Solange noch Forderungen bestehen, die von der ZweckerklĂ€rung erfasst sind, besteht in der Regel kein Anspruch auf Freigabe der Sicherheit. Erst wenn alle gesicherten Forderungen vollstĂ€ndig erfĂŒllt sind und keine weiteren kĂŒnftigen Forderungen mehr zu erwarten sind, kann der Sicherungsgeber die RĂŒckĂŒbertragung oder Löschung der Sicherheit verlangen.
In der Praxis kann dies zu Diskussionen fĂŒhren, wenn unklar ist, ob die GeschĂ€ftsverbindung endgĂŒltig beendet ist oder ob noch mit neuen Forderungen zu rechnen ist. Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung kann daher dazu fĂŒhren, dass Sicherheiten lĂ€nger gebunden bleiben, als es dem Sicherungsgeber bewusst war. Eine klare vertragliche Regelung zur Beendigung der GeschĂ€ftsverbindung und zur Freigabe der Sicherheit ist deshalb von erheblicher Bedeutung.
Teilfreigabe und Anpassung
In manchen FÀllen ist eine vollstÀndige Freigabe der Sicherheit nicht erforderlich oder nicht möglich, etwa wenn nur ein Teil der gesicherten Forderungen getilgt wurde. Dann kann eine Teilfreigabe oder Anpassung des Sicherungszwecks in Betracht kommen. Die ZweckerklÀrung weite Fassung lÀsst solche Lösungen grundsÀtzlich zu, sofern sich die Parteien entsprechend einigen oder der GlÀubiger freiwillig Sicherheiten freigibt, die er zur Absicherung seiner verbleibenden Forderungen nicht mehr benötigt.
Eine faire Handhabung der Teilfreigabe stĂ€rkt die GeschĂ€ftsbeziehung und kann dazu beitragen, dass der Sicherungsgeber seine Vermögenswerte wieder flexibler nutzen kann. Zugleich bleibt der GlĂ€ubiger ausreichend geschĂŒtzt, solange er eine angemessene Sicherheitenquote wahrt.
Zusammenfassung und Einordnung
Die ZweckerklĂ€rung weite Fassung ist ein zentrales Instrument des Kreditsicherungsrechts, mit dem der Sicherungszweck von Grundschulden, BĂŒrgschaften und anderen Sicherheiten auf einen umfassenden Kreis von Forderungen erstreckt wird. Sie ermöglicht es dem GlĂ€ubiger, alle gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Forderungen aus der GeschĂ€ftsverbindung mit dem Sicherungsgeber unter eine einheitliche Sicherungsabrede zu stellen. Damit trĂ€gt die ZweckerklĂ€rung weite Fassung wesentlich zur FlexibilitĂ€t und Effizienz der Kreditpraxis bei, zugleich aber auch zu einer erheblichen Ausdehnung der Haftungsrisiken fĂŒr den Sicherungsgeber.
Aus rechtlicher Sicht ist die ZweckerklĂ€rung weite Fassung eine schuldrechtliche Vereinbarung, deren Wirksamkeit und Reichweite von Transparenz, VerstĂ€ndlichkeit und Angemessenheit abhĂ€ngt. Sie unterliegt der AGB Kontrolle und wird insbesondere bei Verbrauchern an strengen MaĂstĂ€ben gemessen. Wirtschaftlich gesehen bietet sie Chancen fĂŒr eine vereinfachte Kreditvergabe und eine langfristige GeschĂ€ftsbeziehung, birgt jedoch das Risiko einer schwer kalkulierbaren Gesamtbelastung der Sicherungsmasse. Vor diesem Hintergrund ist die ZweckerklĂ€rung weite Fassung als komplexes, aber unverzichtbares Element der modernen Sicherheitenpraxis zu verstehen, das sowohl von Kreditgebern als auch von Sicherungsgebern eine bewusste und informierte Handhabung verlangt. Eine sorgfĂ€ltige Gestaltung, transparente AufklĂ€rung und gegebenenfalls individuelle Begrenzung des Sicherungszwecks sind entscheidend, um die Vorteile dieser weiten Sicherungsabrede zu nutzen und zugleich die berechtigten Schutzinteressen des Sicherungsgebers angemessen zu wahren.
HĂ€ufige Fragen zu âZweckerklĂ€rung weite Fassungâ
Eine ZweckerklĂ€rung in weiter Fassung legt fest, dass eine Sicherheit wie zum Beispiel eine Grundschuld nicht nur fĂŒr ein einzelnes Darlehen, sondern fĂŒr mehrere oder alle gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Forderungen der Bank gegenĂŒber dem Kunden haftet. Sie beschreibt also sehr allgemein, wofĂŒr die Sicherheit eingesetzt werden darf.
Bei einer engen ZweckerklĂ€rung ist genau festgelegt, fĂŒr welches konkrete Darlehen oder welche bestimmte Forderung die Sicherheit dient. Eine weite ZweckerklĂ€rung umfasst dagegen einen viel gröĂeren Kreis von Forderungen, oft alle bestehenden und kĂŒnftigen Kredite des Kunden bei der Bank.
Das Risiko besteht darin, dass die Bank die bestellte Sicherheit spĂ€ter auch fĂŒr andere Schulden in Anspruch nehmen kann, die mit dem ursprĂŒnglichen Kredit nichts zu tun haben. GerĂ€t man mit irgendeiner gesicherten Forderung in Verzug, kann die Bank grundsĂ€tzlich auf die gesamte Sicherheit zugreifen.
Eine nachtrĂ€gliche EinschrĂ€nkung ist nur mit Zustimmung der Bank möglich, da es sich um eine vertragliche Vereinbarung handelt. Ohne Einigung mit der Bank bleibt die weite Fassung in der Regel wirksam, solange sie nicht sittenwidrig oder ĂŒberraschend im Sinne des Gesetzes ist.
Sie sollten genau lesen, fĂŒr welche Forderungen die Sicherheit haften soll und sich erlĂ€utern lassen, welche kĂŒnftigen Kredite darunter fallen können. Sinnvoll ist es, sich die Klausel erklĂ€ren zu lassen und gegebenenfalls eine Begrenzung auf bestimmte Kreditarten oder HöchstbetrĂ€ge mit der Bank zu verhandeln.

