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Wohnungsmangel

Erfahren Sie, warum Wohnungsmangel entsteht, wen er besonders trifft und welche Strategien dagegen helfen können.

Inhaltsverzeichnis

Wohnungsmangel bezeichnet eine anhaltende oder wiederkehrende Unterversorgung der Bevölkerung mit angemessenem Wohnraum in einem bestimmten Gebiet. Der Begriff umfasst quantitative und qualitative Aspekte und beschreibt Situationen, in denen zu wenige Wohnungen verfügbar sind oder vorhandene Wohnungen nicht den Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten der Haushalte entsprechen. Wohnungsmangel gilt als ein zentrales Thema der Stadtentwicklung, der Sozialpolitik und der Wirtschaftsplanung, da er weitreichende Auswirkungen auf Lebensqualität, soziale Stabilität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hat.

Begriffsbestimmung und wesentliche Merkmale

Unter Wohnungsmangel versteht man im engeren Sinne das Missverhältnis zwischen der Zahl der Haushalte und der Zahl der verfügbaren Wohnungen. Im weiteren Sinne umfasst der Begriff auch die unzureichende Verteilung und Ausstattung der Wohnungen, regionale Konzentrationen von Knappheit sowie finanzielle Hürden beim Zugang zu Wohnraum. Wohnungsmangel ist damit nicht nur eine Frage der absoluten Menge, sondern auch der Erreichbarkeit, Angemessenheit und Bezahlbarkeit von Wohnraum.

Quantitativer und qualitativer Mangel

In der Fachliteratur wird Wohnungsmangel häufig in zwei Dimensionen unterteilt.

  • Quantitativer Wohnungsmangel: Es gibt objektiv zu wenig Wohnungen im Verhältnis zur Zahl der Haushalte. Dies zeigt sich etwa in sehr niedrigen Leerstandsquoten, langen Suchzeiten und stark steigenden Mieten.
  • Qualitativer Wohnungsmangel: Es existieren zwar Wohnungen, diese sind jedoch baulich, energetisch, ausstattungsbezogen oder lagebedingt nicht angemessen. Auch eine starke Überbelegung von Wohnungen gilt als Ausdruck qualitativen Mangels.

Beide Formen treten häufig gemeinsam auf. In wachsenden Städten verstärkt sich der quantitative Wohnungsmangel, während gleichzeitig viele Bestandswohnungen modernisierungsbedürftig sind und damit qualitative Defizite aufweisen.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Wohnungsmangel ist von verwandten Begriffen abzugrenzen, die zwar ähnliche Phänomene beschreiben, aber andere Schwerpunkte setzen.

  • Wohnungsnot: Bezeichnet eine besonders ausgeprägte Form von Wohnungsmangel, bei der ein erheblicher Teil der Bevölkerung keinen angemessenen Wohnraum findet und teils obdachlos ist oder in Notunterkünften lebt.
  • Wohnungsengpass: Beschreibt eher kurzfristige oder regionale Knappheiten, die sich durch erhöhte Bautätigkeit oder Umzugstrends vergleichsweise rasch ausgleichen lassen.
  • Wohnungsknappheit: Wird oft synonym zu Wohnungsmangel verwendet, betont jedoch stärker das ökonomische Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Im lexikalischen Gebrauch hat sich Wohnungsmangel als übergeordneter Begriff etabliert, der sowohl strukturelle Defizite des Wohnungsmarktes als auch deren soziale Folgen umfasst.

Historische Entwicklung

Wohnungsmangel ist kein neues Phänomen, sondern begleitet die Geschichte der Verstädterung und Industrialisierung. Bereits im 19. Jahrhundert führte das rasche Bevölkerungswachstum in vielen Städten zu überfüllten Mietskasernen, unhygienischen Wohnverhältnissen und einer hohen Krankheitsbelastung. In dieser Zeit begann auch die wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wohnungsmangel in der Industrialisierung

Mit dem Übergang von agrarisch geprägten Gesellschaften zu industriellen Produktionsweisen zogen große Teile der Bevölkerung in die Städte. Die Bauwirtschaft konnte mit der Geschwindigkeit dieser Wanderungsbewegungen häufig nicht Schritt halten. Wohnungsmangel äußerte sich in überbelegten Wohnungen, Schlafstellenvermietung und informellen Unterkünften. Dies löste erste kommunale Wohnungsbauprogramme und hygienische Reformen aus.

Wohnungsmangel nach Kriegen und Krisen

In vielen Ländern verschärfte sich der Wohnungsmangel nach kriegerischen Zerstörungen und wirtschaftlichen Krisen. Zerbombte Städte, zerstörte Infrastruktur und Rückkehrer aus dem Krieg oder aus der Emigration führten zu einem sprunghaften Anstieg der Wohnraumnachfrage bei gleichzeitig massiv reduziertem Bestand. Staatliche Wohnungsbauprogramme, soziale Wohnungswirtschaft und genossenschaftliche Initiativen entwickelten sich in dieser Phase als Reaktion auf akuten Wohnungsmangel.

Wohnungsmangel in der Gegenwart

In der Gegenwart tritt Wohnungsmangel vor allem in wachsenden Metropolregionen, Universitätsstädten und wirtschaftlich dynamischen Zentren auf. Während in einigen ländlichen Regionen Leerstand und Bevölkerungsrückgang dominieren, stehen Ballungsräume vor der Herausforderung, genügend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die räumliche Ungleichverteilung von Wohnungsmangel ist zu einem zentralen Merkmal moderner Stadtlandschaften geworden.

Ursachen und Einflussfaktoren

Wohnungsmangel entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel struktureller, ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Faktoren. Er lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen, sondern ist Ergebnis langfristiger Entwicklungen und kurzfristiger Schocks.

Demografische und räumliche Faktoren

Demografische Veränderungen spielen eine zentrale Rolle für die Entstehung von Wohnungsmangel.

  • Bevölkerungswachstum: Ein starkes Wachstum durch Geburtenüberschüsse oder Zuwanderung erhöht die Nachfrage nach Wohnraum und kann vorhandene Kapazitäten überfordern.
  • Haushaltsverkleinerung: Steigende Zahl von Einpersonenhaushalten, Trennungen und veränderte Lebensentwürfe führen dazu, dass mehr Wohnungen benötigt werden, selbst bei stabiler Bevölkerungszahl.
  • Urbanisierung: Der Zuzug in wirtschaftlich starke Städte konzentriert die Nachfrage auf bestimmte Regionen und erzeugt dort ausgeprägten Wohnungsmangel, während andere Gebiete schrumpfen.

Ökonomische Rahmenbedingungen

Die wirtschaftliche Entwicklung und die Funktionsweise des Immobilienmarktes beeinflussen den Wohnungsmangel maßgeblich.

  • Baukosten und Bodenpreise: Steigende Materialkosten, höhere Anforderungen an Energieeffizienz und teure Grundstücke verteuern den Neubau und können Investitionen bremsen.
  • Renditeerwartungen: Investoren konzentrieren sich häufig auf lukrative Segmente wie hochpreisige Eigentumswohnungen, während der bezahlbare Mietwohnungsbau vernachlässigt wird. Dies verschärft den Wohnungsmangel für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen.
  • Zinsniveau: Niedrige Zinsen können zwar Investitionen begünstigen, führen aber auch zu verstärkten Kapitalanlagen im Immobiliensektor, was die Preise und Mieten zusätzlich antreibt.

Politische und rechtliche Faktoren

Politische Entscheidungen und gesetzliche Rahmenbedingungen können Wohnungsmangel verstärken oder abmildern.

  • Baurecht und Planungsprozesse: Komplexe Genehmigungsverfahren, langwierige Beteiligungsverfahren und restriktive Flächenausweisungen können den Neubau verzögern und damit den Wohnungsmangel verlängern.
  • Wohnungsbauförderung: Reduzierte öffentliche Förderung im sozialen Wohnungsbau führt häufig dazu, dass weniger preisgünstige Wohnungen entstehen.
  • Steuerliche Rahmenbedingungen: Steuerliche Anreize oder Belastungen beeinflussen, ob Investitionen in Mietwohnungen, Eigentumswohnungen oder andere Anlageformen fließen.

Soziale und kulturelle Entwicklungen

Auch gesellschaftliche Trends tragen zum Wohnungsmangel bei.

  • Veränderte Wohnansprüche: Größere Wohnflächen pro Person, der Wunsch nach bestimmten Lagen und Ausstattungsstandards erhöhen die Nachfrage nach bestimmten Wohnungstypen.
  • Gentrifizierungsprozesse: Aufwertung von Stadtteilen kann Bestandsmieten erhöhen und einkommensschwächere Haushalte verdrängen, wodurch der wahrgenommene Wohnungsmangel in bezahlbaren Segmenten zunimmt.
  • Touristische Nutzung: Kurzzeitvermietung von Wohnungen für touristische Zwecke entzieht dem regulären Wohnungsmarkt in manchen Städten erhebliche Kapazitäten.

Auswirkungen des Wohnungsmangels

Wohnungsmangel hat weitreichende Folgen für Individuen, Haushalte, Städte und Gesellschaften. Diese Auswirkungen betreffen sowohl materielle Lebensbedingungen als auch soziale Beziehungen.

Soziale und gesundheitliche Folgen

Wenn Wohnungsmangel anhält, verschlechtert sich die Wohnsituation vieler Menschen spürbar.

  • Überbelegung: Mehrere Personen oder Familien teilen sich eine zu kleine Wohnung. Dies führt zu fehlender Privatsphäre, erhöhtem Konfliktpotenzial und Belastungen im Alltag.
  • Substandardwohnungen: Haushalte weichen auf Wohnungen mit baulichen Mängeln, unzureichender Heizung oder schlechter Belichtung aus. Dies beeinträchtigt Gesundheit und Wohlbefinden.
  • Psychische Belastungen: Langer Suchstress, Unsicherheit über Mietverhältnisse und Angst vor Verdrängung können zu psychischen Belastungen und sozialem Rückzug führen.

In Situationen ausgeprägten Wohnungsmangels wird Wohnen von einem selbstverständlichen Lebensbereich zu einer dauerhaften Sorge, die andere Lebensentscheidungen überlagern kann.

Ökonomische Konsequenzen

Auch wirtschaftlich wirkt sich Wohnungsmangel deutlich aus.

  • Steigende Mieten und Immobilienpreise: Knappes Angebot bei hoher Nachfrage führt zu Preissteigerungen. Besonders betroffen sind Haushalte mit geringen Einkommen, die einen wachsenden Anteil ihres Budgets für Miete aufwenden müssen.
  • Arbeitsmarkt und Fachkräfte: Unternehmen in Regionen mit starkem Wohnungsmangel haben Schwierigkeiten, Fachkräfte zu gewinnen, da diese keine bezahlbare Wohnung finden oder hohe Wohnkosten scheuen.
  • Verdrängungseffekte: Wirtschaftlich schwächere Haushalte werden in periphere Lagen verdrängt, was längere Pendelzeiten und zusätzliche Verkehrskosten verursacht.

Stadtentwicklung und Raumstruktur

Auf der Ebene der Stadtentwicklung prägt Wohnungsmangel die räumliche Struktur von Städten und Regionen.

  • Ausdehnung der Stadt: Um neuen Wohnraum zu schaffen, werden bislang unbebaute Flächen am Stadtrand erschlossen. Dies kann zu Zersiedelung und erhöhtem Verkehrsaufkommen führen.
  • Verdichtung: Innenentwicklung und Nachverdichtung werden verstärkt, um zusätzliche Wohnungen im Bestand zu schaffen. Dies verändert das Stadtbild und kann Nutzungskonflikte auslösen.
  • Segregation: Unterschiedliche Wohnkosten in verschiedenen Stadtteilen führen zu einer räumlichen Trennung von Bevölkerungsgruppen nach Einkommen, Bildungsgrad oder Herkunft.

Messung und Indikatoren

Um Wohnungsmangel zu erfassen und wohnungspolitische Maßnahmen zu planen, werden verschiedene Indikatoren herangezogen. Eine einheitliche, international gültige Definition existiert nicht, jedoch haben sich bestimmte Kennzahlen etabliert.

Leerstandsquote und Angebotskennziffern

Die Leerstandsquote gibt an, welcher Anteil des Wohnungsbestandes nicht vermietet oder bewohnt ist. Eine sehr niedrige Leerstandsquote wird häufig als Hinweis auf Wohnungsmangel interpretiert. Ergänzend werden Angebotsmieten, Inseratsdauer und die Zahl der verfügbaren Wohnungen pro Suchanfrage ausgewertet.

Mietbelastungsquote und Bezahlbarkeit

Die Mietbelastungsquote misst, welcher Anteil des Haushaltsnettoeinkommens für die Bruttowarmmiete aufgewendet wird. Wenn ein großer Teil der Haushalte mehr als ein Drittel oder gar die Hälfte seines Einkommens für das Wohnen ausgeben muss, gilt dies als Zeichen eines ausgeprägten Wohnungsmangels im bezahlbaren Segment.

Wohnfläche und Belegungsdichte

Weitere Kennziffern zur Erfassung von Wohnungsmangel sind die durchschnittliche Wohnfläche pro Person und die Belegungsdichte. Eine hohe Zahl von Personen pro Raum oder pro Wohnung weist auf Überbelegung hin und signalisiert, dass Wohnungen nicht in ausreichender Größe zur Verfügung stehen.

Wohnungsmangel und soziale Gerechtigkeit

Wohnungsmangel ist eng mit Fragen sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe verbunden. Da Wohnraum ein Grundbedürfnis darstellt, führt ungleicher Zugang zu Wohnraum zu ungleichen Lebens- und Entwicklungschancen.

Betroffene Bevölkerungsgruppen

Bestimmte Gruppen sind von Wohnungsmangel besonders stark betroffen.

  • Niedrige Einkommen: Haushalte mit geringem Einkommen haben bei knappen Märkten die geringsten Chancen auf eine angemessene Wohnung, da sie bei Mietsteigerungen rasch an finanzielle Grenzen stoßen.
  • Familien mit Kindern: Größere Wohnungen sind teurer und seltener verfügbar. Familien sind daher bei ausgeprägtem Wohnungsmangel häufig von Überbelegung und langen Suchzeiten betroffen.
  • Ältere Menschen: Ältere Haushalte finden mitunter keine barrierearmen Wohnungen in ihrem vertrauten Quartier und sind dadurch in ihrer Mobilität und Selbstständigkeit eingeschränkt.
  • Menschen mit Diskriminierungserfahrungen: Personen mit Migrationsgeschichte oder anderen Diskriminierungsmerkmalen erleben auf angespannten Wohnungsmärkten häufig Benachteiligungen bei der Wohnungsvergabe.

Folgen für Bildung und Chancenungleichheit

Da Wohnort und Wohnumfeld den Zugang zu Bildung, Infrastruktur und sozialen Netzwerken beeinflussen, verstärkt Wohnungsmangel bestehende Ungleichheiten. Kinder, die in überbelegten Wohnungen leben, haben oft schlechtere Lernbedingungen. Familien, die durch hohen Mietdruck zum häufigen Umzug gezwungen sind, erleben wiederholte Schulwechsel und erschwerte soziale Integration.

Strategien zur Bewältigung des Wohnungsmangels

Zur Verringerung von Wohnungsmangel werden unterschiedliche Strategien verfolgt, die sich grob in angebotsorientierte und nachfrageorientierte Maßnahmen einteilen lassen. In der Praxis werden beide Ansätze kombiniert, um kurz und langfristig wirksam zu sein.

Angebotsorientierte Maßnahmen

Angebotsorientierte Maßnahmen zielen darauf ab, mehr Wohnraum zu schaffen oder vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen.

  • Neubauprogramme: Öffentliche und private Bauträger errichten neue Wohnungen, um das Angebot zu erhöhen. Besondere Bedeutung kommt Programmen für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau zu, um Wohnungsmangel für einkommensschwächere Haushalte zu verringern.
  • Nachverdichtung und Aufstockung: Bestehende Gebäude werden um zusätzliche Geschosse erweitert oder Baulücken im Stadtgebiet geschlossen. Dies ermöglicht Wohnraumschaffung ohne großflächige Neuerschließung.
  • Umnutzung und Aktivierung von Leerstand: Gewerbeimmobilien, Büros oder ältere Gebäude werden zu Wohnungen umgebaut. Gleichzeitig werden Maßnahmen ergriffen, um spekulativen Leerstand zu reduzieren.

Nachfrageorientierte Maßnahmen

Nachfrageorientierte Instrumente setzen bei den Haushalten an und sollen deren Zugang zu Wohnraum verbessern.

  • Wohngeld und Mietzuschüsse: Staatliche Transfers unterstützen Haushalte mit niedrigen Einkommen bei der Finanzierung ihrer Miete und mindern so die unmittelbaren Folgen des Wohnungsmangels.
  • Belegungsrechte und Sozialquoten: Ein Teil neu entstehender Wohnungen wird für bestimmte Einkommensgruppen reserviert. Dies soll sicherstellen, dass auch bei angespannten Märkten Wohnungen für benachteiligte Gruppen zur Verfügung stehen.
  • Mietregulierung: Instrumente wie Mietpreisbremse oder Kappungsgrenzen sollen übermäßige Mieterhöhungen begrenzen und Verdrängung verhindern.

Städtebauliche und planerische Ansätze

Langfristig kann Wohnungsmangel nur durch integrierte Stadtplanung und koordinierte Politikbereiche wirksam bekämpft werden.

  • Integrierte Stadtentwicklungskonzepte: Wohnungsbau wird mit Verkehrsplanung, Grünflächengestaltung, Bildungsinfrastruktur und sozialer Infrastruktur abgestimmt, um lebenswerte Quartiere zu schaffen.
  • Flächenpolitik: Kommunen können durch vorausschauende Bodenpolitik, Erbbaurechte und Konzeptvergaben Einfluss auf Art und Umfang des Wohnungsbaus nehmen.
  • Regionale Kooperation: Da Wohnungsmangel oft stadtgrenzenübergreifend auftritt, arbeiten Kommunen in Metropolregionen zusammen, um Wohnungsbau und Infrastruktur regional zu koordinieren.

Wohnungsmangel im internationalen Vergleich

Wohnungsmangel ist ein global verbreitetes Phänomen, das sich jedoch je nach Land und Region unterschiedlich äußert. In dynamischen Metropolen vieler Länder stehen ähnliche Probleme im Vordergrund: hohe Mieten, Verdrängung und unzureichender Neubau. Gleichzeitig existieren in ländlichen Regionen mancher Staaten Leerstand und Abwanderung.

Gemeinsame Muster

Trotz unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Systeme zeigen sich wiederkehrende Muster.

  • Starke Zuwanderung in wirtschaftlich prosperierende Zentren führt zu angespannten Wohnungsmärkten.
  • Investitionen konzentrieren sich häufig auf renditestarke Segmente, während preisgünstiger Wohnraum knapp bleibt.
  • Planungsprozesse und Bauvorschriften können den Wohnungsbau verlangsamen und den Wohnungsmangel verstärken.

Unterschiedliche Lösungsansätze

Die Reaktionen auf Wohnungsmangel unterscheiden sich je nach historischer Tradition und politischem System.

  • Einige Länder setzen stark auf sozialen Wohnungsbau in öffentlicher oder genossenschaftlicher Trägerschaft.
  • Andere Länder setzen vor allem auf marktwirtschaftliche Lösungen und schaffen Anreize für privaten Wohnungsbau.
  • Manche Städte verfolgen innovative Ansätze wie kooperative Baugruppen, Erbbaurechte oder strenge Regulierung von Ferienwohnungen, um Wohnungsmangel zu begrenzen.

Zukünftige Herausforderungen und Perspektiven

Die weitere Entwicklung des Wohnungsmangels hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter demografische Trends, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, technologische Innovationen und politische Entscheidungen. Mehrere Herausforderungen zeichnen sich ab.

Klimaschutz und energetische Sanierung

Die Verringerung von Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor erfordert umfangreiche energetische Sanierungen und eine klimaangepasste Bauweise. Dies kann die Baukosten erhöhen und damit den Wohnungsmangel verschärfen, wenn nicht gleichzeitig Förderprogramme und soziale Ausgleichsmechanismen etabliert werden. Zugleich eröffnet die energetische Modernisierung Chancen für bessere Wohnqualität und langfristig geringere Nebenkosten.

Digitalisierung und neue Wohnformen

Die Digitalisierung verändert Arbeitsweisen und Lebensstile. Homeoffice, flexible Arbeitsorte und digitale Dienstleistungen beeinflussen Wohnansprüche und Standortentscheidungen. Neue Wohnformen wie gemeinschaftliche Wohnprojekte, geteilte Flächen und modulare Bauweisen können helfen, Wohnungsmangel zu mindern, indem sie Flächen effizienter nutzen und anpassungsfähige Strukturen schaffen.

Alternde Gesellschaft und Barrierefreiheit

Mit einer alternden Bevölkerung steigt der Bedarf an barrierearmen und gut angebundenen Wohnungen. Wenn der Wohnungsbestand nicht rechtzeitig angepasst wird, kann ein spezifischer Wohnungsmangel im Segment altersgerechter Wohnungen entstehen. Dies erfordert vorausschauende Planung, Nachrüstprogramme und neue Konzepte für das Wohnen im Alter.

Zusammenfassung und Einordnung

Wohnungsmangel beschreibt eine nachhaltige Unterversorgung der Bevölkerung mit angemessenem und bezahlbarem Wohnraum. Er entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel von demografischen Entwicklungen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Veränderungen. Wohnungsmangel äußert sich in überfüllten Wohnungen, steigenden Mieten, Verdrängungsprozessen und erschwertem Zugang zu Wohnraum für benachteiligte Gruppen. Die Folgen betreffen soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die räumliche Struktur von Städten und Regionen.

Zur Bewältigung des Wohnungsmangels ist eine langfristig angelegte, integrierte Wohnungs- und Stadtpolitik erforderlich, die Neubau, Bestandspflege, soziale Ausgleichsmechanismen und innovative Wohnformen miteinander verbindet. Dabei kommt der Kooperation von Staat, Kommunen, Wohnungswirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft eine zentrale Rolle zu. Je besser es gelingt, die unterschiedlichen Interessen auszugleichen und die vorhandenen Ressourcen zielgerichtet einzusetzen, desto eher kann Wohnungsmangel verringert und der Zugang zu angemessenem Wohnraum als wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe gesichert werden.

Häufige Fragen zu „Wohnungsmangel“

Wohnungsmangel bedeutet, dass es in einer Region weniger verfügbare Wohnungen gibt, als Menschen eine Wohnung suchen. Dadurch steigen meist die Mieten und es wird schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Hinweise auf Wohnungsmangel sind stark steigende Mieten und viele Bewerber auf eine einzige Wohnung. Oft berichten Medien und Städte darüber, dass zu wenig gebaut wird und soziale oder günstige Wohnungen knapp sind.

Häufige Ursachen sind starkes Bevölkerungswachstum in Städten, zu wenig Neubau und hohe Grundstückspreise. Auch strenge Bauvorschriften, lange Genehmigungsverfahren und fehlende Investitionen in sozialen Wohnungsbau tragen dazu bei.

Für Mieterinnen und Mieter bedeutet Wohnungsmangel oft höhere Mieten und eine längere, stressige Wohnungssuche. Manche Menschen müssen kleinere oder schlechtere Wohnungen akzeptieren oder in weiter entfernte Stadtteile ausweichen.

Gegen Wohnungsmangel helfen vor allem der Bau neuer Wohnungen und die Förderung von bezahlbarem und sozialem Wohnraum. Zusätzlich können Städte Flächen besser nutzen, Baurecht vereinfachen und Maßnahmen gegen spekulativen Leerstand ergreifen.

Kersten Streit, Leitung Immobilienvermittlung, Immobilien Experten
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