Mietendeckel
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Der Begriff Mietendeckel bezeichnet im wohnungsrechtlichen und wohnungspolitischen Kontext eine staatliche Begrenzung der zulässigen Miethöhe für Wohnraum. Er dient dazu, das Mietniveau in angespannten Wohnungsmärkten zu stabilisieren und den Anstieg der Mieten zu begrenzen. Der Mietendeckel kann als Obergrenze für Neuvermietungen, für Mieterhöhungen in laufenden Mietverhältnissen oder für beide Bereiche ausgestaltet sein. In der Regel erfolgt die Festlegung durch Gesetz oder Verordnung und ist an bestimmte Voraussetzungen wie Wohnraummangel und überdurchschnittliche Mietsteigerungen geknüpft. Der Mietendeckel steht im Spannungsfeld zwischen dem Schutz von Mieterinnen und Mietern, der Eigentumsgarantie der Vermietenden sowie den Anforderungen an einen funktionierenden Wohnungsmarkt.
Begriffliche Einordnung und Abgrenzung
Der Mietendeckel ist ein Instrument der Wohnungs und Mietpreispolitik. Er unterscheidet sich von allgemeinen mietrechtlichen Schutzvorschriften, weil er gezielt eine Obergrenze für die Miethöhe festlegt und damit unmittelbar in die Preisbildung eingreift. Während die klassische Mietpreisbremse typischerweise nur für Neuvermietungen gilt und einen prozentualen Aufschlag auf eine Vergleichsmiete begrenzt, kann ein Mietendeckel deutlich weiter gehen. Er kann absolute Höchstbeträge je Quadratmeter bestimmen, Mieten auch in laufenden Verträgen einfrieren oder sogar Absenkungen überhöhter Mieten vorsehen. Der Mietendeckel wirkt daher unmittelbarer auf die Einnahmen der Vermietenden und die Ausgaben der Mietenden als viele andere Regulierungsinstrumente.
Verhältnis zu anderen mietpreisregulierenden Instrumenten
Zur Abgrenzung des Mietendeckel von anderen Instrumenten der Mietpreisregulierung lassen sich mehrere Kategorien bilden.
- Mietpreisbremse
Die Mietpreisbremse begrenzt in der Regel den zulässigen Aufschlag auf die ortsübliche Vergleichsmiete bei Neuvermietungen. Sie erlaubt also Mieterhöhungen innerhalb gewisser Grenzen und verweist auf bestehende Mietspiegel. Im Unterschied dazu kann der Mietendeckel absolute Höchstwerte definieren, die unabhängig von der jeweiligen Vergleichsmiete gelten.
- Kappungsgrenze
Die Kappungsgrenze begrenzt Mieterhöhungen innerhalb laufender Mietverhältnisse auf einen bestimmten Prozentsatz innerhalb eines festgelegten Zeitraums. Der Mietendeckel kann hingegen Mieten vollständig einfrieren oder nur sehr geringfügige Steigerungen zulassen und damit eine deutlich strengere Wirkung entfalten.
- Sozialer Wohnungsbau
Beim sozialen Wohnungsbau werden Mieten durch Förderbedingungen und Belegungsbindungen reguliert. Ein Mietendeckel setzt dagegen nicht an der Förderung einzelner Wohnungen an, sondern greift allgemein in die Miethöhen eines bestimmten Gebietes oder einer ganzen Stadt ein.
Ziele und Funktionen
Der Mietendeckel verfolgt mehrere miteinander verbundene Ziele, die sich aus sozialen, wirtschaftlichen und stadtentwicklungspolitischen Erwägungen ergeben.
Sozialer Schutz der Mietenden
Im Zentrum steht der Schutz von Haushalten mit geringem oder mittlerem Einkommen vor übermäßigen Mietbelastungen. In vielen Ballungsräumen steigen die Mieten schneller als die Einkommen. Der Mietendeckel soll verhindern, dass ein zu großer Anteil des Einkommens für Wohnkosten aufgewendet werden muss. Dadurch soll Verdrängung aus angestammten Wohnvierteln eingedämmt und soziale Durchmischung erhalten werden.
Stabilisierung angespannter Wohnungsmärkte
In Regionen mit starkem Zuzug und begrenztem Wohnungsangebot kann der Mietendeckel kurzfristig eine dämpfende Wirkung auf Mietsteigerungen entfalten. Er soll verhindern, dass Marktdynamiken zu sprunghaften Preisentwicklungen führen, die vor allem für Bestandsmieterinnen und Bestandsmieter schwer kalkulierbar sind. Auf diese Weise trägt der Mietendeckel zur Planbarkeit der Wohnkosten bei.
Stadtentwicklung und Verhinderung von Verdrängung
In vielen Städten wird der Mietendeckel auch als Instrument der Stadtentwicklung verstanden. Er soll dazu beitragen, gewachsene Nachbarschaften zu erhalten und eine zu starke Konzentration einkommensstarker Haushalte in bestimmten Quartieren zu vermeiden. Indem der Mietendeckel Mieten begrenzt, kann er Gentrifizierungsprozesse verlangsamen und die soziale Vielfalt in innerstädtischen Lagen stützen.
Symbolische und politische Funktion
Über seine unmittelbare wirtschaftliche Wirkung hinaus besitzt der Mietendeckel eine symbolische Komponente. Er signalisiert, dass der Staat den Wohnungsmarkt nicht vollständig den Marktkräften überlässt, sondern als soziale Aufgabe betrachtet. Für viele politische Akteurinnen und Akteure steht der Mietendeckel daher für eine aktive Mietenpolitik und die Betonung des Wohnens als Grundbedürfnis. Kritische Stimmen sehen darin hingegen ein Zeichen für eine zunehmende Regulierung und eine mögliche Beeinträchtigung von Investitionsanreizen.
Rechtliche Grundlagen und Ausgestaltung
Die rechtliche Ausgestaltung eines Mietendeckel hängt von der jeweiligen Rechtsordnung und Kompetenzverteilung zwischen staatlichen Ebenen ab. Typischerweise wird der Mietendeckel durch ein Gesetz oder eine Rechtsverordnung eingeführt, die Voraussetzungen, Geltungsbereich und Sanktionen regelt.
Gesetzliche Grundlagen
Die Einführung eines Mietendeckel stützt sich häufig auf wohnungsrechtliche oder mietenrechtliche Gesetzgebungskompetenzen. Dabei sind vor allem folgende Fragen entscheidend.
- Welche staatliche Ebene ist zuständig für die Regelung der Miethöhen
- Wie wird das Verhältnis zu bestehenden zivilrechtlichen Mietvorschriften gestaltet
- Inwieweit sind Eingriffe in die Eigentumsfreiheit und Vertragsfreiheit zulässig
Je nach Verfassungslage kann ein Mietendeckel von nationalen Parlamenten, regionalen Gesetzgebern oder kommunalen Organen eingeführt werden. Streitfragen betreffen häufig die Abgrenzung zwischen Zivilrecht, das in vielen Staaten zentral geregelt ist, und öffentlichem Wohnungsrecht, das teilweise den Regionen überlassen wird.
Räumlicher und sachlicher Geltungsbereich
Der räumliche Geltungsbereich eines Mietendeckel wird in der Regel auf Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt beschränkt. Kriterien können hohe Mietniveaus, überdurchschnittliche Mietsteigerungen, geringe Leerstandsquoten oder ein ausgeprägtes Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sein. Sachlich kann der Mietendeckel auf Wohnraummietverhältnisse begrenzt sein und bestimmte Ausnahmen vorsehen, etwa für Neubauten ab einem bestimmten Baujahr oder für umfassend modernisierte Wohnungen.
Regelungsinhalte
Ein Mietendeckel kann unterschiedliche Regelungselemente kombinieren.
- Obergrenzen für Bestandsmieten
Es können Höchstwerte für die Miete pro Quadratmeter festgelegt werden, die sich nach Baujahr, Ausstattung oder Lage der Wohnung richten. Liegt die bestehende Miete über der zulässigen Grenze, kann eine Absenkung vorgesehen sein.
- Begrenzung von Neuvermietungsmieten
Bei Abschluss neuer Mietverträge darf die vereinbarte Miete die festgelegte Obergrenze nicht überschreiten. Damit wird verhindert, dass frei werdende Wohnungen mit deutlich höheren Mieten neu vermietet werden.
- Einfrieren oder Begrenzung von Mieterhöhungen
Mieten können für einen bestimmten Zeitraum eingefroren oder nur in sehr geringem Umfang erhöht werden. Häufig werden Ausnahmen zugelassen, etwa wenn Modernisierungen durchgeführt wurden oder bestimmte Kostensteigerungen nachgewiesen werden.
- Informations und Auskunftspflichten
Vermietende können verpflichtet werden, Mietenden Auskunft über die Berechnung der Miete, über Vormieten und über anwendbare Obergrenzen zu geben. Dies soll Transparenz schaffen und die Durchsetzung des Mietendeckel erleichtern.
- Sanktionsmechanismen
Verstöße gegen einen Mietendeckel können verwaltungsrechtlich oder zivilrechtlich sanktioniert werden. Möglich sind Bußgelder, Rückzahlungsansprüche überzahlter Mieten oder Unwirksamkeit überhöhter Mietvereinbarungen.
Ökonomische Wirkungen
Die wirtschaftlichen Effekte eines Mietendeckel sind Gegenstand intensiver Diskussion und hängen von seiner konkreten Ausgestaltung sowie den Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes ab.
Auswirkungen auf Mietende
Für Mietende bringt ein wirksam ausgestalteter Mietendeckel in der Regel eine Entlastung bei den Wohnkosten. Die Begrenzung der Mieten kann dazu führen, dass ein größerer Teil des Einkommens für andere Lebensbereiche zur Verfügung steht. Zudem entsteht mehr Sicherheit, da plötzliche hohe Mieterhöhungen unwahrscheinlicher werden. In angespannten Märkten kann der Mietendeckel verhindern, dass Haushalte ihre Wohnungen aus finanziellen Gründen aufgeben müssen.
Auswirkungen auf Vermietende
Für Vermietende bedeutet ein Mietendeckel eine Beschränkung ihrer Möglichkeiten, Mieten entsprechend der Marktnachfrage zu erhöhen. Dies kann die Rendite von Wohnungsinvestitionen beeinflussen. Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass ein strenger Mietendeckel Investitionen in den Wohnungsbestand unattraktiver macht und notwendige Modernisierungen verzögert werden. Befürwortende argumentieren, dass stabile und berechenbare Mieten langfristig ebenfalls Planungssicherheit schaffen und Investitionen in qualitativ hochwertigen Wohnraum nicht ausschließen.
Auswirkungen auf Neubau und Wohnungsangebot
Ein häufig diskutierter Punkt ist die Frage, ob ein Mietendeckel den Neubau bremst. Wenn Mieten nicht kostendeckend oder nicht auskömmlich erscheinen, könnten potentielle Investorinnen und Investoren von Neubauprojekten Abstand nehmen oder diese in andere Regionen verlagern. Die tatsächliche Wirkung hängt davon ab, ob der Mietendeckel auch für Neubauten gilt, wie hoch die zulässigen Mieten angesetzt sind und welche Förderprogramme parallel existieren. Eine sorgfältige Ausgestaltung kann versuchen, Mieterschutz und Neubauanreize miteinander zu verbinden.
Verteilungseffekte und Marktverzerrungen
Ein Mietendeckel kann Verteilungseffekte innerhalb der Gruppe der Mietenden hervorrufen. Haushalte, die bereits eine Wohnung besitzen, profitieren häufig stärker als Haushalte, die neu auf Wohnungssuche sind. Wenn Mieten gedeckelt sind, kann die Nachfrage nach günstigen Wohnungen steigen, während das Angebot begrenzt bleibt. Dies kann zu längeren Suchzeiten, zu informellen Auswahlmechanismen oder zu einer verstärkten Bedeutung persönlicher Kontakte führen. Zudem kann ein Mietendeckel dazu führen, dass Menschen seltener umziehen, da sie ihre vergleichsweise günstige Miete nicht aufgeben möchten.
Rechtliche und politische Kontroversen
Der Mietendeckel ist in vielen Rechtsordnungen Gegenstand rechtlicher Überprüfungen und politischer Auseinandersetzungen. Die Kontroversen betreffen sowohl die Kompetenzfragen als auch die inhaltliche Angemessenheit der Regelungen.
Verfassungsrechtliche Fragen
Ein Mietendeckel greift in die Eigentums und Vertragsfreiheit ein. Verfassungsrechtlich stellt sich daher die Frage, ob und in welchem Umfang solche Eingriffe gerechtfertigt sind. Maßgeblich ist dabei, ob der Gesetzgeber ein legitimes Ziel verfolgt, ob der Eingriff geeignet und erforderlich ist und ob eine angemessene Abwägung zwischen den Interessen der Mietenden und der Vermietenden erfolgt. Darüber hinaus wird geprüft, ob die zuständige staatliche Ebene die notwendige Gesetzgebungskompetenz besitzt und ob der Mietendeckel mit bestehenden zivilrechtlichen Regelungen vereinbar ist.
Politische Auseinandersetzungen
Politisch wird der Mietendeckel meist kontrovers diskutiert. Befürwortende sehen in ihm ein notwendiges Instrument, um die soziale Spaltung in Städten zu begrenzen und den Zugang zu Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu sichern. Sie betonen, dass der Wohnungsmarkt in vielen Regionen nicht als vollkommen freier Markt funktioniert, da Boden knapp ist und Wohnraum ein Grundbedürfnis darstellt. Kritische Stimmen warnen vor negativen Nebenwirkungen, vor allem einem möglichen Rückgang von Investitionen und einer Verschlechterung der Wohnungsqualität. Sie plädieren häufig für Alternativen wie verstärkten Neubau, steuerliche Anreize oder Wohnungsbauförderung.
Argumente der Befürwortenden
- Soziale Gerechtigkeit
Der Mietendeckel wird als Instrument zur Verringerung sozialer Ungleichheit gesehen. Er soll verhindern, dass steigende Mieten insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen belasten und zu Verdrängung führen.
- Schutz des Lebensmittelpunkts
Wohnen ist für viele Menschen mehr als ein Marktgut. Der Mietendeckel soll den Lebensmittelpunkt schützen und die Kontinuität sozialer Beziehungen in Quartieren sichern.
- Korrektur von Marktungleichgewichten
In angespannten Märkten können Vermietende eine starke Verhandlungsmacht besitzen. Ein Mietendeckel soll diese Macht begrenzen und ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage herstellen.
Argumente der Kritikerinnen und Kritiker
- Investitionshemmnisse
Es wird befürchtet, dass ein strenger Mietendeckel Investitionen in den Wohnungsbau und in die Modernisierung bestehender Gebäude unattraktiv macht. Dies könnte das Wohnungsangebot langfristig verringern.
- Marktverzerrungen
Ein Mietendeckel kann zu Fehlanreizen führen. Beispielsweise könnten Wohnungen seltener auf den Markt kommen, weil Vermietende alternative Nutzungen bevorzugen oder Mietende ihre Wohnungen trotz veränderter Lebenssituationen nicht aufgeben.
- Treffsicherheit
Kritik richtet sich auch auf die Frage, ob der Mietendeckel zielgenau die Haushalte unterstützt, die besonders auf Hilfe angewiesen sind. Haushalte mit hohen Einkommen können ebenso von gedeckelten Mieten profitieren.
Praktische Anwendung und Verwaltung
Die Umsetzung eines Mietendeckel erfordert Verwaltungsstrukturen und Kontrollmechanismen. Ohne wirksame Durchsetzung droht die Gefahr, dass Regelungen auf dem Papier bestehen bleiben, in der Praxis aber umgangen werden.
Behördliche Zuständigkeiten
Für die Überwachung eines Mietendeckel werden häufig spezielle Behörden oder Fachabteilungen in bestehenden Verwaltungen zuständig gemacht. Ihre Aufgaben umfassen die Prüfung von Anzeigen, die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten und die Beratung von Mietenden und Vermietenden. Die Ressourcen und Kompetenzen dieser Stellen beeinflussen maßgeblich die Wirksamkeit des Instruments.
Rechtsdurchsetzung durch Mietende
Mietende können in vielen Regelungskonzepten ihre Rechte aus einem Mietendeckel selbständig geltend machen. Dies kann durch Einwendungen gegen überhöhte Mietforderungen, durch Klagen vor Zivilgerichten oder durch Anträge bei Verwaltungsbehörden geschehen. Informations und Beratungsangebote spielen eine wichtige Rolle, damit Mietende ihre Ansprüche kennen und durchsetzen können.
Kontroll und Sanktionsmechanismen
Zur Einhaltung eines Mietendeckel sind wirksame Kontrollmechanismen notwendig. Dazu gehören Anzeigemöglichkeiten bei Verdacht auf Verstöße, Stichprobenprüfungen sowie die Möglichkeit, Auskünfte von Vermietenden einzuholen. Sanktionen können in Form von Bußgeldern, Rückzahlungsverpflichtungen oder der Unwirksamkeit überhöhter Mietvereinbarungen ausgestaltet sein. Die Verhältnismäßigkeit der Sanktionen ist dabei ebenso zu beachten wie ihre Abschreckungswirkung.
Internationale Perspektiven
Regelungen, die einem Mietendeckel ähneln, finden sich in verschiedenen Staaten. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Strenge, Dauer und räumlicher Ausdehnung. Manche Länder kennen seit Jahrzehnten Mietpreisbindungen, andere setzen vor allem auf indirekte Steuerungsinstrumente.
Unterschiedliche Modelle
International lassen sich grob zwei Modelle unterscheiden.
- Dauerhafte Mietregulierung
In einigen Staaten existieren langfristige Systeme der Mietpreisbindung, bei denen Mieten regelmäßig nur in begrenztem Umfang steigen dürfen. Der Mietendeckel wird hier als dauerhaftes Element der Wohnungsmarktordnung verstanden.
- Temporäre Eingriffe
In anderen Ländern wird der Mietendeckel als zeitlich befristetes Kriseninstrument eingesetzt, etwa bei starkem Zuzug, spekulativen Preissteigerungen oder wirtschaftlichen Ausnahmesituationen. Nach Ablauf der Befristung wird die Wirksamkeit bewertet und über eine Verlängerung oder Anpassung entschieden.
Lehren aus internationalen Erfahrungen
Die Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen des Mietendeckel zeigen, dass dessen Wirkung stark von der Einbettung in eine umfassende Wohnungs und Sozialpolitik abhängt. Wo Mietregulierungen mit einer aktiven Förderung des Wohnungsneubaus, mit sozialem Wohnungsbau und mit städtebaulichen Instrumenten kombiniert werden, können negative Nebenwirkungen teilweise begrenzt werden. Ohne begleitende Maßnahmen besteht hingegen die Gefahr, dass ein Mietendeckel zwar kurzfristig Entlastung schafft, langfristig jedoch Angebotsengpässe verschärft.
Kriterien für die Bewertung eines Mietendeckel
Die Beurteilung eines Mietendeckel erfolgt anhand verschiedener Kriterien, die sowohl ökonomische als auch soziale und rechtliche Aspekte einbeziehen.
Wirksamkeit und Zielerreichung
Ein zentraler Maßstab ist die Frage, ob ein Mietendeckel seine Ziele erreicht. Dazu gehört die Betrachtung der Entwicklung der Mieten, der Mietbelastungsquoten und der Verdrängungsprozesse. Auch die Stabilität der Wohnverhältnisse und die Zufriedenheit der Mietenden sind relevante Indikatoren. Eine differenzierte Bewertung berücksichtigt, ob bestimmte Gruppen besonders profitieren oder benachteiligt werden.
Verhältnismäßigkeit
Aus rechtlicher Sicht muss ein Mietendeckel verhältnismäßig sein. Das bedeutet, dass er zur Erreichung seiner Ziele geeignet und erforderlich ist und die Interessen der Beteiligten in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Dabei spielt die Intensität des Eingriffs in Eigentums und Vertragsrechte ebenso eine Rolle wie die Schwere der sozialen Probleme, die ohne Mietendeckel auftreten würden.
Praktikabilität und Verwaltungsaufwand
Ein weiterer Bewertungsmaßstab ist die Praktikabilität. Ein Mietendeckel muss so gestaltet sein, dass seine Regeln verständlich sind und mit vertretbarem Aufwand überprüft werden können. Komplexe Berechnungsmethoden oder schwer zugängliche Daten können die Anwendung erschweren und die Akzeptanz verringern. Ein funktionierendes System erfordert klare Definitionen, transparente Kriterien und nachvollziehbare Verfahren.
Langfristige Marktfolgen
Schließlich sind die langfristigen Folgen für den Wohnungsmarkt zu berücksichtigen. Ein Mietendeckel sollte nach Möglichkeit so gestaltet sein, dass er den Neubau nicht dauerhaft hemmt und die Instandhaltung des Bestands nicht gefährdet. Ergänzende Maßnahmen wie Förderprogramme, steuerliche Anreize und eine aktive Bodenpolitik können dazu beitragen, mögliche negative Effekte abzufedern.
Zusammenfassung und Einordnung
Der Mietendeckel ist ein Instrument der staatlichen Mietpreisregulierung, das in angespannten Wohnungsmärkten die Miethöhen begrenzen und soziale Ziele verwirklichen soll.
Als wohnungspolitisches Steuerungsinstrument greift der Mietendeckel unmittelbar in die Preisbildung ein. Er kann sowohl Bestandsmieten als auch Neuvermietungsmieten betreffen und ist meist räumlich sowie zeitlich begrenzt. Seine Einführung ist mit komplexen rechtlichen, ökonomischen und politischen Fragen verbunden. Befürwortende sehen im Mietendeckel ein notwendiges Korrektiv, um soziale Härten zu vermeiden, Verdrängung zu begrenzen und den Zugang zu Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu sichern. Kritische Stimmen verweisen auf mögliche Investitionshemmnisse, Angebotsverknappungen und Verteilungseffekte zulasten von Wohnungssuchenden. Die Wirksamkeit eines Mietendeckel hängt wesentlich von seiner konkreten Ausgestaltung, von der Klarheit seiner rechtlichen Grundlage und von der Einbettung in eine umfassende Wohnungs und Sozialpolitik ab. Ein sorgfältig gestalteter Mietendeckel kann kurzfristig zur Entlastung von Mietenden beitragen und extreme Mietsteigerungen dämpfen. Langfristig bleibt er jedoch auf ergänzende Instrumente angewiesen, insbesondere auf den Ausbau des Wohnungsangebots, die Förderung von bezahlbarem Wohnraum und eine vorausschauende Stadtentwicklung. In diesem Sinne ist der Mietendeckel weniger als alleinige Lösung wohnungspolitischer Herausforderungen zu verstehen, sondern als ein Baustein innerhalb eines breiteren Instrumentariums, das soziale, wirtschaftliche und städtebauliche Ziele miteinander in Einklang zu bringen versucht.
Häufige Fragen zu „Mietendeckel“
Ein Mietendeckel ist eine staatliche Regelung, die Mieten für Wohnungen auf einem bestimmten Niveau einfriert oder begrenzt. Ziel ist es, starke Mieterhöhungen zu verhindern und Wohnen bezahlbarer zu machen, vor allem in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt.
Bei einem Mietendeckel dürfen Vermieter die Miete meist nur noch sehr begrenzt oder gar nicht mehr erhöhen. In manchen Modellen müssen überhöhte Mieten sogar abgesenkt werden, wenn sie deutlich über den festgelegten Höchstwerten liegen.
Ein Mietendeckel gilt in der Regel nur für bestimmte Wohnungen, zum Beispiel für bestehende Mietverhältnisse in größeren Städten. Neubauten oder luxuriös ausgestattete Wohnungen können ausgenommen sein, damit weiter in neue Wohnungen investiert wird.
Für Mieter kann ein Mietendeckel mehr Planungssicherheit schaffen, weil Mieten langsamer oder gar nicht steigen. Vermieter kritisieren oft, dass sich Investitionen und Modernisierungen weniger lohnen, was langfristig zu weniger Neubau und knapperem Wohnraum führen könnte.
Ob ein Mietendeckel erlaubt ist, hängt von der genauen Ausgestaltung und der Zuständigkeit ab. Ein früherer Berliner Mietendeckel wurde vom Bundesverfassungsgericht gekippt, weil das Land nicht zuständig war, aber grundsätzlich kann der Bund Mietpreisregeln erlassen.

