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Forward-Darlehen

Erfahren Sie, wie Sie mit einem Forward-Darlehen frühzeitig Zinsen sichern und Ihre Anschlussfinanzierung clever planen.

Inhaltsverzeichnis

Ein Forward-Darlehen ist ein spezielles Kreditinstrument im Bereich der Immobilienfinanzierung, mit dem sich Kreditnehmende bereits heute einen festen Zinssatz für ein in der Zukunft beginnendes Darlehen sichern. Es dient in erster Linie der Absicherung gegen mögliche Zinssteigerungen und wird vor allem zur Anschlussfinanzierung bestehender Immobilienkredite genutzt. Das Forward-Darlehen verbindet Elemente eines klassischen Hypothekendarlehens mit einer terminbezogenen Zinsvereinbarung und stellt damit ein wichtiges Instrument des Zinsmanagements für private wie gewerbliche Immobilienfinanzierungen dar.

Begriffsbestimmung und Grundprinzip

Unter einem Forward-Darlehen versteht man einen bereits heute vertraglich vereinbarten Kredit, der erst nach Ablauf einer festgelegten Vorlaufzeit ausgezahlt und zinswirksam wird. Während der Vorlaufzeit erfolgt keine Auszahlung und es fallen keine laufenden Zinszahlungen an, allerdings wird der vereinbarte Zinssatz um einen sogenannten Forward-Aufschlag erhöht, um das Zinsänderungsrisiko der Bank zu kompensieren. Das Forward-Darlehen ist damit eine Form der Zinssicherung für die Zukunft, die auf einem klar definierten Starttermin sowie einer fest vereinbarten Zinsbindung beruht.

Charakteristisch für das Forward-Darlehen ist, dass sämtliche Konditionen wie Zinssatz, Zinsbindungsdauer, Tilgungssatz und mögliche Sondertilgungsrechte bereits bei Vertragsabschluss feststehen, obwohl die tatsächliche Darlehensauszahlung erst Monate oder Jahre später erfolgt. Der Kreditnehmende erhält damit Planungssicherheit über zukünftige Finanzierungskosten, während die Bank im Gegenzug ein Zinsänderungsrisiko übernimmt, das sie über den Forward-Aufschlag bepreist.

Abgrenzung zu anderen Darlehensformen

Forward-Darlehen und klassisches Annuitätendarlehen

Ein klassisches Annuitätendarlehen beginnt in der Regel kurz nach Vertragsabschluss mit Auszahlung und Zinszahlung. Beim Forward-Darlehen hingegen liegt zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung eine definierte Vorlaufzeit, in der noch kein Kapital zur Verfügung steht. Die Rückzahlungsstruktur nach Beginn der Zinsbindung ähnelt allerdings häufig einem Annuitätendarlehen, bei dem eine konstante Rate aus Zins und Tilgung gezahlt wird.

Forward-Darlehen und Prolongation

Unter Prolongation versteht man die Verlängerung eines bestehenden Darlehens bei derselben Bank, meist kurz vor Ablauf der bisherigen Zinsbindung. Ein Forward-Darlehen kann dagegen auch bei einer anderen Bank abgeschlossen werden und wird häufig bereits mehrere Jahre vor Ablauf der aktuellen Zinsbindung vereinbart. Während die Prolongation eher kurzfristig orientiert ist, ermöglicht das Forward-Darlehen eine langfristige Zinsstrategie und einen frühzeitigen Bankenwechsel.

Forward-Darlehen und variabler Kredit

Variable Kredite sind durch einen Zinssatz gekennzeichnet, der sich regelmäßig an einem Referenzzinssatz orientiert und entsprechend schwanken kann. Das Forward-Darlehen verfolgt den gegenteiligen Ansatz: Es fixiert den Zinssatz für einen zukünftigen Zeitraum und schützt Kreditnehmende damit vor Zinsanstiegen, verzichtet jedoch auf die Chance, von möglichen Zinssenkungen zu profitieren. Es handelt sich daher um ein Instrument für sicherheitsorientierte Finanzierungsstrategien.

Rechtliche und vertragliche Grundlagen

Das Forward-Darlehen unterliegt in der Regel den gleichen zivilrechtlichen Bestimmungen wie andere Immobiliardarlehen. Es wird als Verbraucherdarlehen oder Unternehmerdarlehen ausgestaltet, je nach Stellung des Kreditnehmenden. Die vertraglichen Regelungen umfassen insbesondere die Höhe des bereitgestellten Kapitals, den festen Zinssatz inklusive Forward-Aufschlag, die Dauer der Zinsbindung, die Tilgungskonditionen, mögliche Sondertilgungsrechte sowie den exakten Zeitpunkt der Darlehensvalutierung.

Besondere Bedeutung kommt der Vereinbarung über die Bereitstellungsphase zu. Da das Forward-Darlehen erst zu einem zukünftigen Zeitpunkt ausgezahlt wird, ist klar festgelegt, dass bis zum Starttermin keine Bereitstellungszinsen anfallen. Stattdessen ist der Zinsaufschlag integraler Bestandteil des vereinbarten Nominalzinssatzes. Der Kreditvertrag legt zudem fest, dass der Kreditnehmende zur Abnahme des Darlehens verpflichtet ist, sobald der vereinbarte Termin erreicht ist, sofern die vertraglichen Voraussetzungen vorliegen.

Funktionsweise und Ablauf

Phasen eines Forward-Darlehens

  • Planungsphase

    In der Planungsphase prüft der Kreditnehmende, ob das bestehende Darlehen innerhalb der nächsten Jahre aus der Zinsbindung läuft und ob ein Forward-Darlehen zur Absicherung künftiger Zinsen sinnvoll erscheint. Dabei werden aktuelle Marktzinsen, persönliche Einkommensperspektiven und die Restschuld des laufenden Kredits analysiert.

  • Abschlussphase

    In der Abschlussphase wird das Forward-Darlehen mit einem Kreditinstitut verhandelt. Es werden der gewünschte Starttermin, die gewünschte Zinsbindungsdauer, der Tilgungssatz und mögliche Sondertilgungsoptionen festgelegt. Nach positiver Bonitätsprüfung erfolgt der Vertragsabschluss, der die Konditionen verbindlich fixiert.

  • Forward-Periode

    Die Forward-Periode ist die Zeit zwischen Vertragsabschluss und tatsächlichem Darlehensbeginn. Während dieser Periode entstehen dem Kreditnehmenden im Regelfall keine laufenden Zins- oder Tilgungszahlungen aus dem neuen Vertrag. Der bestehende Kredit wird weiter bedient, bis seine Zinsbindung endet oder bis zu einem vertraglich definierten Ablösetermin.

  • Auszahlungs- und Tilgungsphase

    Mit Beginn der Auszahlungsphase wird das Forward-Darlehen valutiert, in der Regel zur Ablösung des bisherigen Darlehens. Ab diesem Zeitpunkt gelten die vereinbarten Zinsen und Tilgungen. Der Kreditnehmende zahlt die vereinbarte Rate, die häufig als Annuität gestaltet ist, bis zum Ende der neuen Zinsbindungsfrist oder bis zur vollständigen Rückzahlung.

Zinsmechanismus und Forward-Aufschlag

Das zentrale Merkmal des Forward-Darlehens ist der Zinsmechanismus, der den zukünftigen Zinssatz aus dem aktuellen Marktzins und einem zeitabhängigen Aufschlag zusammensetzt. Der Forward-Aufschlag reflektiert das Risiko der Bank, dass sich der Marktzins in der Zwischenzeit ungünstig entwickelt. Je länger die Forward-Periode, desto höher fällt in der Regel der Aufschlag aus. Der Kreditnehmende akzeptiert diesen Aufschlag, um sich gegen mögliche Zinssteigerungen abzusichern.

Der Zinssatz eines Forward-Darlehens ist somit eine Mischgröße aus heutigem Zinsniveau, Laufzeitstruktur der Zinsen und Risikokalkulation des Kreditgebers.

Einsatzbereiche und typische Anwendungsfälle

Anschlussfinanzierung von Immobilien

Der häufigste Einsatzbereich eines Forward-Darlehens ist die Anschlussfinanzierung von selbstgenutzten oder vermieteten Immobilien. Läuft die Zinsbindung eines bestehenden Darlehens in einigen Jahren aus, kann ein Forward-Darlehen abgeschlossen werden, um die Konditionen der Anschlussfinanzierung schon heute festzulegen. So lässt sich das Risiko abfedern, dass zum Zeitpunkt der tatsächlichen Anschlussfinanzierung ein deutlich höheres Zinsniveau herrscht.

Umfinanzierung und Bankenwechsel

Ein Forward-Darlehen eignet sich auch für Kreditnehmende, die einen Bankenwechsel planen. Wird ein attraktiver Zinssatz von einem anderen Institut angeboten, kann dieser über ein Forward-Darlehen gesichert werden, selbst wenn das bestehende Darlehen noch einige Zeit läuft. Zum vereinbarten Termin löst das neue Darlehen den alten Kredit ab, ohne dass eine Lücke in der Finanzierung entsteht.

Planungssicherheit für Investoren

Für Kapitalanleger und gewerbliche Investoren bietet das Forward-Darlehen die Möglichkeit, die künftigen Finanzierungskosten von Immobilienprojekten langfristig zu kalkulieren. Dies kann insbesondere bei renditeorientierten Objekten vorteilhaft sein, bei denen die Zinsbelastung einen wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit hat. Die feste Zinsstruktur erleichtert die Erstellung von Finanzplänen und Cashflow-Prognosen.

Vorteile eines Forward-Darlehens

Zinssicherheit und Kalkulierbarkeit

Der zentrale Vorteil eines Forward-Darlehens liegt in der Zinssicherheit. Kreditnehmende wissen bereits heute, welche Zinsbelastung sie nach Ablauf der aktuellen Zinsbindung erwartet. Diese Planungssicherheit ist besonders wertvoll, wenn das allgemeine Zinsniveau als niedrig eingeschätzt wird und ein Anstieg in der Zukunft befürchtet wird. Das Forward-Darlehen wird damit zu einem Instrument der Risikoreduzierung bei langfristigen Finanzierungen.

Schutz vor Zinsanstieg

Steigen die Marktzinsen in der Zeit zwischen Vertragsabschluss und Darlehensbeginn tatsächlich an, erweist sich das Forward-Darlehen als vorteilhaft. Der Kreditnehmende profitiert von den früher gesicherten Konditionen und zahlt einen Zins, der unter dem zum Startzeitpunkt gültigen Marktniveau liegen kann. Der gezahlte Forward-Aufschlag stellt in diesem Fall eine Art Versicherungsprämie dar, die sich im Nachhinein als lohnende Absicherung erweist.

Frühzeitige Klarheit über Anschlussfinanzierung

Durch den frühzeitigen Abschluss eines Forward-Darlehens entfällt die Unsicherheit, ob eine Anschlussfinanzierung zu akzeptablen Konditionen überhaupt verfügbar sein wird. Dies ist insbesondere für Haushalte mit begrenztem finanziellen Spielraum bedeutsam. Die feste Rate des Forward-Darlehens kann in die langfristige Haushaltsplanung integriert werden und erleichtert Entscheidungen über weitere Investitionen oder Ausgaben.

Wettbewerb zwischen Kreditinstituten

Das Forward-Darlehen eröffnet Kreditnehmenden die Möglichkeit, Angebote verschiedener Banken frühzeitig zu vergleichen und zu nutzen. Dies kann den Wettbewerb im Markt für Immobilienfinanzierungen stärken und zu günstigeren Konditionen führen. Wer rechtzeitig ein Forward-Darlehen abschließt, kann sich unter Umständen Konditionen sichern, die später nicht mehr verfügbar wären.

Nachteile und Risiken

Risiko eines später niedrigeren Zinsniveaus

Ein wesentliches Risiko des Forward-Darlehens besteht darin, dass das allgemeine Zinsniveau zum Zeitpunkt des Darlehensbeginns niedriger sein könnte als der vereinbarte Zinssatz einschließlich Forward-Aufschlag. In diesem Fall zahlt der Kreditnehmende im Vergleich zu einem später abgeschlossenen Darlehen mehr Zinsen. Die im Vorfeld gekaufte Zinssicherheit erweist sich dann im Rückblick als nachteilig.

Verpflichtung zur Darlehensabnahme

Mit Abschluss eines Forward-Darlehens verpflichtet sich der Kreditnehmende in aller Regel zur Abnahme des Darlehens zum vereinbarten Zeitpunkt. Tritt eine unerwartete Veränderung der Lebensumstände ein, etwa ein Immobilienverkauf oder eine vorzeitige vollständige Rückzahlung des bestehenden Kredits, kann diese Abnahmeverpflichtung zu Konflikten führen. Der Ausstieg aus einem Forward-Darlehen ist häufig nur gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung möglich.

Zusätzliche Kosten durch Forward-Aufschlag

Der Forward-Aufschlag erhöht den Zinssatz und damit die Gesamtbelastung des Kreditnehmenden. Gerade bei sehr langen Forward-Perioden kann dieser Aufschlag erheblich sein. Es ist daher notwendig, sorgfältig zu prüfen, ob die erwartete Zinsentwicklung den Aufschlag rechtfertigt. Das Forward-Darlehen ist kein automatischer Vorteil, sondern muss im Einzelfall wirtschaftlich bewertet werden.

Komplexität der Entscheidungsfindung

Die Entscheidung für oder gegen ein Forward-Darlehen erfordert eine Einschätzung der künftigen Zinsentwicklung, der eigenen finanziellen Stabilität und der geplanten Nutzung der Immobilie. Diese Faktoren machen die Beurteilung komplex. Fehlentscheidungen können langfristige finanzielle Auswirkungen haben, da die Zinsbindung oft viele Jahre umfasst.

Wirtschaftliche Einordnung

Forward-Darlehen im Kontext der Zinsstruktur

Das Forward-Darlehen lässt sich in die allgemeine Theorie der Zinsstruktur einordnen. Der Zinssatz eines solchen Darlehens spiegelt Erwartungen über zukünftige kurzfristige Zinsen, Risikoprämien und Liquiditätspräferenzen wider. Kreditinstitute kalkulieren den Forward-Zins auf Grundlage von Kapitalmarktdaten, internen Refinanzierungskosten und einer Marge. Kreditnehmende wiederum nutzen das Forward-Darlehen, um individuelle Zinsrisiken zu steuern und die eigene Budgetplanung zu stabilisieren.

Rolle im Markt für Immobilienfinanzierungen

Im Markt für Immobilienfinanzierungen hat das Forward-Darlehen eine wichtige Rolle als Produkt zur Zinsabsicherung. Es ergänzt klassische Hypothekendarlehen und variable Finanzierungen und trägt dazu bei, dass sowohl Banken als auch Kreditnehmende ihre Zinsrisiken besser steuern können. In Phasen niedriger Zinsen gewinnt das Forward-Darlehen häufig an Bedeutung, da viele Kreditnehmende das niedrige Zinsniveau langfristig sichern wollen.

Kriterien für die Beurteilung eines Forward-Darlehens

Zeitpunkt des Abschlusses

Ein zentrales Kriterium für die Beurteilung eines Forward-Darlehens ist der Zeitpunkt des Abschlusses. Je weiter der Beginn des neuen Darlehens in der Zukunft liegt, desto höher ist typischerweise der Forward-Aufschlag. Es gilt abzuwägen, ob die frühzeitige Zinssicherung den Aufschlag rechtfertigt oder ob ein späterer Abschluss vorteilhafter wäre. Dabei spielen sowohl persönliche Faktoren als auch Einschätzungen zur Zinsentwicklung eine Rolle.

Höhe des Zinssatzes im Vergleich zum Markt

Der angebotene Zinssatz eines Forward-Darlehens sollte mit aktuellen Marktkonditionen und Konkurrenzangeboten verglichen werden. Ein vermeintlich attraktiver Zinssatz kann sich bei genauer Betrachtung als weniger vorteilhaft erweisen, wenn der Forward-Aufschlag im Verhältnis zum erwarteten Zinsanstieg zu hoch ist. Es empfiehlt sich, verschiedene Szenarien der Zinsentwicklung zu betrachten und die daraus resultierenden Gesamtkosten zu analysieren.

Flexibilität der Vertragsbedingungen

Bei der Bewertung eines Forward-Darlehens ist auch die Flexibilität der Vertragsbedingungen relevant. Sondertilgungsrechte, Möglichkeiten zur Tilgungssatzänderung oder Optionen zur vorzeitigen Rückzahlung können die Attraktivität deutlich erhöhen. Gleichzeitig können strenge Abnahmeverpflichtungen oder eingeschränkte Anpassungsmöglichkeiten die Risiken für den Kreditnehmenden vergrößern.

Persönliche Lebensplanung und Risikoneigung

Die Entscheidung für ein Forward-Darlehen sollte stets im Kontext der persönlichen Lebensplanung betrachtet werden. Wer langfristig in der finanzierten Immobilie wohnen möchte und Wert auf stabile Raten legt, kann von der Zinssicherheit besonders profitieren. Personen mit hoher Risikobereitschaft oder mit absehbaren Veränderungen in ihrer Lebenssituation sollten die Bindungsdauer und die Abnahmeverpflichtung sorgfältig prüfen.

Typische Vertragsgestaltungen

Zinsbindungsdauer

Die Zinsbindungsdauer eines Forward-Darlehens entspricht häufig den im Markt üblichen Zeiträumen, etwa zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre. Längere Zinsbindungen erhöhen die Planungssicherheit, können aber auch mit höheren Zinssätzen einhergehen. Die Wahl der Zinsbindung sollte sich an der erwarteten Nutzungsdauer der Immobilie und der persönlichen Sicherheitspräferenz orientieren.

Tilgungsmodalitäten

Das Forward-Darlehen wird meist als Annuitätendarlehen mit einem festen anfänglichen Tilgungssatz ausgestaltet. Üblich sind anfängliche Tilgungen zwischen einem und drei Prozent der Darlehenssumme pro Jahr. Höhere Tilgungssätze verkürzen die Gesamtlaufzeit und senken die Zinskosten, erfordern jedoch höhere monatliche Raten. Manche Verträge erlauben im Verlauf der Zinsbindung Anpassungen des Tilgungssatzes, um auf Veränderungen im Einkommen reagieren zu können.

Sondertilgungsrechte

Viele Forward-Darlehen sehen jährliche Sondertilgungsmöglichkeiten vor, die es erlauben, zusätzlich zur regulären Rate einen bestimmten Prozentsatz der Restschuld ohne Vorfälligkeitsentschädigung zurückzuzahlen. Solche Rechte erhöhen die Flexibilität und können helfen, die Darlehenslaufzeit zu verkürzen. Der Umfang der Sondertilgungsrechte ist ein wichtiges Merkmal bei der Auswahl eines geeigneten Angebots.

Praktische Erwägungen bei der Nutzung

Informationsbeschaffung und Beratung

Vor dem Abschluss eines Forward-Darlehens ist eine umfassende Informationsbeschaffung sinnvoll. Dazu gehört das Verständnis der Funktionsweise, der Kostenstruktur und der vertraglichen Pflichten. Eine qualifizierte Beratung kann helfen, individuelle Bedürfnisse zu klären, verschiedene Angebote zu vergleichen und die Tragweite der Entscheidung realistisch einzuschätzen.

Berechnung der Gesamtkosten

Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines Forward-Darlehens sollten nicht nur der Nominalzins, sondern auch die Gesamtkosten betrachtet werden. Dazu zählen der Effektivzins, mögliche Bearbeitungsentgelte, eventuelle Schätzgebühren und die Auswirkungen von Sondertilgungsrechten. Ein Vergleich mit einem Szenario ohne Forward-Darlehen, bei dem die Anschlussfinanzierung erst später zu dann gültigen Konditionen abgeschlossen wird, kann helfen, die Vorteile und Nachteile quantitativ zu erfassen.

Umgang mit Zinsprognosen

Zinsprognosen können einen Anhaltspunkt für die Entscheidung bieten, sind jedoch stets mit Unsicherheit behaftet. Kreditnehmende sollten sich bewusst machen, dass sich Zinsmärkte durch wirtschaftliche und politische Entwicklungen schnell verändern können. Das Forward-Darlehen ist daher weniger ein Instrument zur Spekulation auf Zinsbewegungen, sondern eher ein Mittel zur Absicherung gegen unerwünschte Entwicklungen.

Beispielhafte Anwendungsszenarien

Selbstnutzende Eigentümer

Ein typisches Szenario für ein Forward-Darlehen ist der selbstnutzende Eigentümer, dessen Zinsbindung in einigen Jahren endet. Angenommen, eine Familie hat ein Haus mit einem langfristigen Kredit finanziert, dessen Zinsbindung in fünf Jahren ausläuft. Die aktuellen Zinsen sind historisch niedrig und die Familie befürchtet, dass sie in fünf Jahren höher sein könnten. Durch den Abschluss eines Forward-Darlehens mit einer Forward-Periode von fünf Jahren und einer neuen Zinsbindung von zehn Jahren sichert sich die Familie das heutige Zinsniveau für die Zeit nach Ablauf des bestehenden Vertrags. Sie zahlt dafür einen moderaten Forward-Aufschlag, gewinnt aber langfristige Planungssicherheit.

Kapitalanleger mit Mietobjekten

Ein weiteres Szenario ist der Kapitalanleger, der eine vermietete Immobilie hält. Die Mieteinnahmen sind auf lange Sicht kalkulierbar, während die Zinsbelastung ein Unsicherheitsfaktor sein kann. Durch ein Forward-Darlehen kann der Anleger die künftigen Zinskosten fixieren und die Rendite des Objekts stabilisieren. Dies erleichtert strategische Entscheidungen, etwa über Modernisierungen, Erweiterungen oder den Erwerb weiterer Objekte.

Begriffliche Einordnung und sprachliche Aspekte

Der Begriff Forward-Darlehen setzt sich aus dem englischen Wort forward im Sinne von vorausschauend oder in die Zukunft gerichtet und dem deutschen Wort Darlehen zusammen. Er verweist damit direkt auf den Kern des Konzepts, nämlich die vorweggenommene Festlegung von Finanzierungskonditionen für einen zukünftigen Zeitraum. Im Sprachgebrauch wird der Begriff Forward-Darlehen häufig im Zusammenhang mit Anschlussfinanzierung, Zinsbindung und Hypothekarkredit verwendet.

Im weiteren Sinne lässt sich das Forward-Darlehen als spezielle Form eines Festzinsdarlehens mit aufgeschobener Valutierung verstehen. Es ist eng mit Begriffen wie Zinssicherung, Zinsrisiko und Zinsstrategie verknüpft und steht exemplarisch für den Versuch, langfristige Finanzierungsentscheidungen unter unsicheren Marktbedingungen planbarer zu machen.

Zusammenfassende Charakterisierung

Das Forward-Darlehen ist ein Finanzierungsinstrument, das es Kreditnehmenden ermöglicht, bereits heute einen festen Zinssatz für ein in der Zukunft beginnendes Darlehen zu vereinbaren. Es wird überwiegend zur Anschlussfinanzierung von Immobilienkrediten genutzt und bietet Schutz vor möglichen Zinsanstiegen. Die Funktionsweise beruht auf einer Kombination aus aktuellem Marktzins und einem zeitabhängigen Forward-Aufschlag, der das Zinsänderungsrisiko des Kreditgebers abbildet.

Zu den wesentlichen Vorteilen eines Forward-Darlehens zählen Zinssicherheit, langfristige Kalkulierbarkeit der Raten und die Möglichkeit, attraktive Konditionen frühzeitig zu sichern. Demgegenüber stehen Risiken wie die Verpflichtung zur Darlehensabnahme und die Möglichkeit, dass das Zinsniveau zum Startzeitpunkt niedriger ist als der vereinbarte Zinssatz. Ob ein Forward-Darlehen im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Risikoneigung, der Lebensplanung, der erwarteten Zinsentwicklung und den konkreten Vertragsbedingungen ab. In der Gesamtschau stellt das Forward-Darlehen ein bedeutsames Instrument im Spektrum der Immobilienfinanzierung dar, das insbesondere sicherheitsorientierten Kreditnehmenden eine strukturierte und vorausschauende Gestaltung ihrer Zinsbelastung ermöglicht.

Häufige Fragen zu „Forward-Darlehen“

Ein Forward-Darlehen ist ein Kredit, bei dem Sie sich schon heute einen festen Zinssatz für eine Anschlussfinanzierung in der Zukunft sichern. Der Kredit beginnt also erst nach Ablauf Ihres aktuellen Baukredits, die Konditionen stehen aber bereits jetzt fest.

Ein Forward-Darlehen lohnt sich vor allem für Immobilienbesitzer, deren Zinsbindung in den nächsten Monaten oder Jahren endet. Es ist besonders interessant, wenn Sie damit rechnen, dass die Zinsen künftig steigen werden und Sie sich die aktuell noch günstigeren Zinsen sichern möchten.

Die Zinsen eines Forward-Darlehens liegen meist etwas höher als bei einem sofort beginnenden Darlehen, weil die Bank das Zinsänderungsrisiko übernimmt. Oft wird pro Monat der Vorlaufzeit ein kleiner Zinsaufschlag berechnet, der sich über die gesamte Laufzeit des neuen Kredits auswirkt.

Viele Banken bieten Forward-Darlehen etwa 12 bis 60 Monate vor Ablauf der aktuellen Zinsbindung an. Sinnvoll ist ein Abschluss, wenn Sie die Restlaufzeit Ihres bestehenden Kredits kennen und eine klare Einschätzung haben, dass die Zinsen bis dahin eher steigen als fallen.

Das größte Risiko besteht darin, dass die Zinsen bis zum Start des Forward-Darlehens doch sinken oder weniger stark steigen als erwartet. Dann sind Sie trotzdem an den vorher vereinbarten, möglicherweise höheren Zinssatz gebunden und können nicht einfach auf ein günstigeres Angebot wechseln.

Kersten Streit, Leitung Immobilienvermittlung, Immobilien Experten
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