Beleihungswert
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Der Begriff Beleihungswert gehört zu den zentralen FachausdrĂŒcken des Kredit und Immobilienwesens und beschreibt den vorsichtig ermittelten Wert eines Sicherungsobjekts, der als Grundlage fĂŒr die langfristige Kreditvergabe dient. Im Unterschied zu Marktpreisen und kurzfristigen Verkehrswerten verfolgt der Beleihungswert das Ziel, einen Wert abzubilden, der auch unter verĂ€nderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft erzielbar ist. Er soll Kreditgebern eine verlĂ€ssliche Basis zur Beurteilung des Risikos bieten und Kreditnehmern Transparenz darĂŒber verschaffen, welcher Teil des Immobilienwerts fĂŒr eine Finanzierung herangezogen werden kann.
Begriffsbestimmung und Abgrenzung
Der Beleihungswert ist ein rechtlich und aufsichtsrechtlich definierter Wert, der vor allem im Zusammenhang mit grundpfandrechtlich besicherten Darlehen verwendet wird. Er dient als Obergrenze fĂŒr die Höhe des Darlehens, das ein Kreditinstitut auf eine Immobilie oder ein GrundstĂŒck gewĂ€hrt. Dabei steht nicht der höchstmögliche erzielbare Preis im Vordergrund, sondern ein konservativ ermittelter und nachhaltig erzielbarer Wert, der auch in weniger gĂŒnstigen Marktphasen Bestand haben soll.
Abgrenzung zum Verkehrswert
Der Verkehrswert beschreibt den Preis, der zum Zeitpunkt der Bewertung bei einem Verkauf im gewöhnlichen GeschÀftsverkehr wahrscheinlich erzielt werden könnte. Der Beleihungswert hingegen zielt auf eine langfristige Betrachtung ab.
- Der Verkehrswert ist zeitpunktbezogen und marktorientiert.
- Der Beleihungswert ist sicherheitsorientiert und langfristig ausgerichtet.
- Marktschwankungen wirken sich auf den Verkehrswert oft deutlich aus, wÀhrend der Beleihungswert diese Schwankungen bewusst glÀttet.
In der Praxis kann der Verkehrswert deutlich ĂŒber dem Beleihungswert liegen, insbesondere in Phasen stark steigender Immobilienpreise. Umgekehrt soll der Beleihungswert auch in Krisenzeiten nicht abrupt einbrechen, sondern die Werthaltigkeit der Sicherheit ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum widerspiegeln.
Abgrenzung zum Kaufpreis
Der Kaufpreis einer Immobilie ist das Ergebnis der individuellen Verhandlung zwischen KĂ€ufer und VerkĂ€ufer. Er kann von Emotionen, besonderen Verhandlungssituationen oder strategischen ErwĂ€gungen geprĂ€gt sein. Der Beleihungswert unterliegt hingegen klaren Bewertungsregeln und soll unabhĂ€ngig von kurzfristigen EinflĂŒssen und besonderen Einzelfallkonstellationen bestimmt werden.
- Ein hoher Kaufpreis fĂŒhrt nicht automatisch zu einem entsprechend hohen Beleihungswert.
- Der Beleihungswert kann unter dem Kaufpreis liegen, wenn der Preis als ĂŒberhöht oder spekulativ angesehen wird.
- In seltenen FĂ€llen kann der Beleihungswert auch ĂŒber dem Kaufpreis liegen, etwa bei besonders gĂŒnstigen Erwerbsgelegenheiten, was jedoch zurĂŒckhaltend zu bewerten ist.
Rechtliche und aufsichtsrechtliche Grundlagen
Die Ermittlung des Beleihungswert ist in vielen LĂ€ndern durch Gesetze, Verordnungen und Richtlinien geregelt. Ziel dieser Regelungen ist es, ein einheitliches, konservatives und transparentes Verfahren sicherzustellen, das die StabilitĂ€t des Finanzsystems unterstĂŒtzt.
Grundprinzipien der Wertermittlung
Die maĂgeblichen Grundprinzipien bei der Bestimmung des Beleihungswert lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Vorsichtsprinzip und Nachhaltigkeit
- UnabhÀngigkeit der Bewertung
- Nachvollziehbarkeit und Dokumentation
- BerĂŒcksichtigung langfristiger MarktverhĂ€ltnisse
- Ausblendung spekulativer Wertbestandteile
Diese Prinzipien sollen verhindern, dass kurzfristige Markteuphorie oder spekulative Erwartungen zu ĂŒberhöhten Beleihungswerten und damit zu einer riskanten Ausweitung der Kreditvergabe fĂŒhren.
Institutionelle Verantwortung
Die Verantwortung fĂŒr die Festlegung des Beleihungswert liegt in der Regel beim Kreditinstitut, das den Kredit vergibt. Die Bewertung kann durch interne oder externe SachverstĂ€ndige erfolgen, die ĂŒber besondere Qualifikationen und Marktkenntnisse verfĂŒgen mĂŒssen. Interne Richtlinien der Institute konkretisieren hĂ€ufig die gesetzlichen Vorgaben und legen fest, welche Bewertungsmethoden und SicherheitsabschlĂ€ge anzuwenden sind.
Der Beleihungswert ist kein frei verhandelbarer Wert, sondern das Ergebnis eines strukturierten Bewertungsprozesses, der strengen Vorgaben und Kontrollen unterliegt.
Methoden der Ermittlung
Die Ermittlung des Beleihungswert stĂŒtzt sich in der Praxis auf etablierte Verfahren der Immobilienbewertung. Diese Verfahren werden so angewendet, dass sie nicht zu einem spekulativ ĂŒberhöhten, sondern zu einem dauerhaft tragfĂ€higen Wert fĂŒhren.
Vergleichswertverfahren
Beim Vergleichswertverfahren wird der Beleihungswert aus tatsĂ€chlich erzielten Kaufpreisen vergleichbarer Objekte abgeleitet. Dabei werden insbesondere Lage, Art, GröĂe, Baujahr und Ausstattung der Immobilie berĂŒcksichtigt.
- Auswahl geeigneter Vergleichsobjekte mit Àhnlichen Merkmalen
- Anpassung der Vergleichspreise an Unterschiede bei Zustand, Lage und Nutzung
- BerĂŒcksichtigung eines ausreichend langen Beobachtungszeitraums
- Anwendung von SicherheitsabschlÀgen zur Ermittlung eines konservativen Beleihungswert
Das Vergleichswertverfahren eignet sich vor allem fĂŒr Wohnimmobilien in MĂ€rkten mit einer hohen Anzahl an vergleichbaren Transaktionen.
Ertragswertverfahren
Das Ertragswertverfahren richtet den Blick auf die nachhaltig erzielbaren ErtrĂ€ge einer Immobilie, typischerweise Mieten oder Pachten. Es ist besonders relevant fĂŒr MehrfamilienhĂ€user, BĂŒrogebĂ€ude, Handelsimmobilien und andere Objekte, die primĂ€r als Kapitalanlage dienen.
Zur Bestimmung des Beleihungswert im Ertragswertverfahren werden unter anderem folgende Schritte durchgefĂŒhrt:
- Ermittlung nachhaltig erzielbarer Mieten unter BerĂŒcksichtigung des lokalen Marktes
- Abzug von Bewirtschaftungskosten und Instandhaltungsaufwendungen
- Bestimmung eines angemessenen Kapitalisierungszinssatzes
- Berechnung des Ertragswerts aus den nachhaltig erzielbaren Nettoeinnahmen
- Ansatz von SicherheitsabschlÀgen, um einen stabilen Beleihungswert zu erhalten
Spekulative Mieterwartungen, kurzfristige Sondererlöse oder auĂergewöhnlich hohe Mieten, die nicht als nachhaltig gelten, werden bei der Festlegung des Beleihungswert typischerweise nicht oder nur eingeschrĂ€nkt berĂŒcksichtigt.
Sachwertverfahren
Das Sachwertverfahren orientiert sich an den Wiederherstellungs oder Herstellungskosten einer Immobilie abzĂŒglich alters und zustandsbedingter Wertminderungen. Es kommt vor allem bei eigengenutzten Wohnimmobilien, Spezialimmobilien oder Objekten mit geringer Marktdurchdringung zum Einsatz.
- Bestimmung des Bodenwerts anhand geeigneter Vergleichswerte
- Berechnung des Bauwerts auf Basis von Neubaukosten
- BerĂŒcksichtigung von Alterswertminderung und baulichem Zustand
- ZusammenfĂŒhrung von Boden und Bauwert zu einem Gesamtwert
- Anwendung vorsichtiger AbschlÀge zur Bestimmung des Beleihungswert
Auch im Sachwertverfahren ist entscheidend, dass der resultierende Beleihungswert einen langfristig tragfĂ€higen und nicht einen spekulativ ĂŒberhöhten Wert widerspiegelt.
Faktoren, die den Beleihungswert beeinflussen
Die Höhe des Beleihungswert hÀngt von einer Vielzahl von Merkmalen ab, die sich sowohl auf die Immobilie selbst als auch auf ihr Umfeld und ihre Nutzung beziehen.
Lage und Umfeld
Die Lage gilt als einer der wichtigsten Wertfaktoren. FĂŒr den Beleihungswert sind insbesondere folgende Aspekte von Bedeutung:
- Makrolage wie Region, Stadt oder Umland
- Mikrolage wie Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Versorgungsinfrastruktur, LÀrmbelastung
- Wirtschaftliche Struktur und Entwicklungsperspektiven des Standortes
- Nachfrage nach vergleichbaren Immobilien am örtlichen Markt
Eine attraktive, wirtschaftlich stabile Lage kann den Beleihungswert positiv beeinflussen, wĂ€hrend strukturschwache Regionen oder Lagen mit hoher Leerstandsquote zu einem vorsichtigeren Ansatz fĂŒhren.
BauqualitÀt und Zustand
Die bauliche QualitÀt und der Erhaltungszustand einer Immobilie wirken sich unmittelbar auf den Beleihungswert aus.
- Alter des GebĂ€udes und durchgefĂŒhrte Modernisierungen
- QualitĂ€t der BauausfĂŒhrung und verwendeten Materialien
- Zustand von Dach, Fassade, Haustechnik und Innenausbau
- Vorliegen von BauschÀden oder Sanierungsstau
Ein guter baulicher Zustand und eine zeitgemĂ€Ăe technische Ausstattung tragen zu einem höheren Beleihungswert bei. Umgekehrt fĂŒhren erhebliche MĂ€ngel, veraltete Technik oder ein hoher Modernisierungsbedarf zu AbschlĂ€gen, da sie die langfristige Werthaltigkeit beeintrĂ€chtigen.
Nutzung und Ertragskraft
Die Art der Nutzung beeinflusst die StabilitÀt der ErtrÀge und damit den Beleihungswert. Wohnnutzungen gelten hÀufig als vergleichsweise stabil, wÀhrend bestimmte gewerbliche Nutzungen stÀrker von wirtschaftlichen Schwankungen abhÀngen können.
- Wohnnutzung mit breiter Nachfragebasis
- BĂŒro und Dienstleistungsnutzung mit standortabhĂ€ngiger Nachfrage
- Handels und Logistiknutzung mit teils branchenspezifischen Risiken
- Spezialimmobilien wie Hotels oder Pflegeheime mit besonderem Betreiber und Marktrisiko
Je stabiler und breiter die Nachfrage nach der jeweiligen Nutzungsart eingeschÀtzt wird, desto verlÀsslicher erscheinen die langfristigen ErtrÀge und desto höher kann der Beleihungswert ausfallen.
Funktion des Beleihungswertes im Kreditwesen
Im Kreditwesen erfĂŒllt der Beleihungswert eine zentrale Steuerungsfunktion. Er ist die Basis fĂŒr die Bestimmung der Beleihungsgrenze und damit fĂŒr die maximale Kredithöhe, die ein Kreditinstitut auf eine Immobilie gewĂ€hrt.
Beleihungsgrenze und Beleihungsauslauf
Die Beleihungsgrenze bezeichnet den Prozentsatz des Beleihungswert, bis zu dem ein Darlehen gewÀhrt werden kann. Der Beleihungsauslauf beschreibt das VerhÀltnis zwischen Darlehensbetrag und Beleihungswert.
- Beleihungsgrenze als maximale Ausnutzung des Beleihungswert
- Beleihungsauslauf als konkreter Kennwert des einzelnen Kredits
- Niedriger Beleihungsauslauf als Ausdruck höherer Sicherheit
- Hoher Beleihungsauslauf als Hinweis auf erhöhtes Risiko
Ein Kredit mit einem Beleihungsauslauf deutlich unterhalb der festgelegten Beleihungsgrenze gilt als besonders besichert. Dies kann sich auf die Konditionen wie Zinssatz und Tilgungsanforderungen positiv auswirken.
Risikosteuerung und Eigenkapitalunterlegung
Der Beleihungswert ist auch fĂŒr die interne Risikosteuerung von Kreditinstituten bedeutsam. Er beeinflusst, wie viel Eigenkapital das Institut fĂŒr die betreffenden Kredite vorhalten muss und wie die Risikoklassen der Engagements festgelegt werden.
- Konservativer Beleihungswert reduziert das Ausfall und Verwertungsrisiko
- Niedriger Beleihungsauslauf kann zu geringeren Eigenkapitalanforderungen fĂŒhren
- Höhere Sicherheit kann SpielrĂ€ume fĂŒr gĂŒnstigere Kreditkonditionen eröffnen
Auf diese Weise trĂ€gt ein sorgfĂ€ltig ermittelter Beleihungswert zur StabilitĂ€t des Finanzsystems bei, da er eine ĂŒbermĂ€Ăige Ausweitung der Kreditvergabe auf unsichere Sicherheiten begrenzt.
Bedeutung fĂŒr Kreditnehmer
FĂŒr Kreditnehmer ist der Beleihungswert eine zentrale GröĂe bei der Planung und Strukturierung ihrer Finanzierung. Er bestimmt, welcher Anteil des Immobilienwerts als Sicherheit anerkannt wird und wie viel Eigenkapital eingebracht werden muss.
Einfluss auf die Finanzierungsstruktur
Der Beleihungswert bildet die Grundlage fĂŒr die Aufteilung der Finanzierung in unterschiedliche Risikoklassen. HĂ€ufig wird zwischen einem besonders gĂŒnstig verzinsten Kernbereich und einem höher verzinsten Randbereich unterschieden.
- Kreditanteile innerhalb einer konservativen Beleihungsgrenze gelten als besonders sicher
- DarĂŒber hinausgehende Kreditanteile werden als risikoreicher eingestuft
- Eigenkapital des Kreditnehmers schlieĂt die LĂŒcke zwischen Kaufpreis und anerkanntem Beleihungswert
Ein höherer Eigenkapitaleinsatz kann die AbhĂ€ngigkeit von Kreditmitteln verringern und zu besseren Konditionen fĂŒhren, da der Beleihungsauslauf sinkt.
Auswirkungen auf Zinssatz und Konditionen
Die EinschĂ€tzung des Risikos durch das Kreditinstitut wirkt sich unmittelbar auf die Konditionen aus, zu denen ein Darlehen gewĂ€hrt wird. Ein niedriger Beleihungsauslauf auf Basis eines konservativen Beleihungswert kann sich in gĂŒnstigeren ZinssĂ€tzen, flexibleren Tilgungsoptionen oder lĂ€ngeren Zinsbindungsfristen niederschlagen.
- Geringeres Risiko fĂŒr die Bank ermöglicht tendenziell niedrigere Zinsen
- Höherer Risikoaufschlag bei stark ausgereiztem Beleihungswert
- Möglichkeit, Kreditlaufzeiten besser an die persönlichen BedĂŒrfnisse anzupassen
FĂŒr Kreditnehmer ist es daher sinnvoll, die Ermittlung und die Höhe des Beleihungswert zu verstehen und bei der Finanzierungsplanung zu berĂŒcksichtigen.
Praktische Aspekte der Wertermittlung
In der Praxis stellt die Ermittlung des Beleihungswert einen strukturierten Prozess dar, der von der Datenerhebung ĂŒber die Berechnung bis zur internen Freigabe reicht.
Rolle der Gutachten
Die Grundlage fĂŒr den Beleihungswert bildet hĂ€ufig ein Wertgutachten, das von einem qualifizierten SachverstĂ€ndigen erstellt wird. Dieses Gutachten enthĂ€lt eine detaillierte Beschreibung des Objekts, der Lage, des Zustands und der relevanten Marktdaten.
- Objektbesichtigung und Dokumentation des Zustands
- Analyse von Markt und Standortdaten
- Auswahl des geeigneten Bewertungsverfahrens oder einer Kombination mehrerer Verfahren
- Ermittlung eines Verkehrswerts und Ableitung eines konservativen Beleihungswert
Das Gutachten dient dem Kreditinstitut als Entscheidungsgrundlage und wird intern geprĂŒft, bevor der endgĂŒltige Beleihungswert festgelegt wird.
Datenquellen und Marktbeobachtung
Eine solide Ermittlung des Beleihungswert setzt eine verlÀssliche Datenbasis voraus. Dazu gehören Informationen zu aktuellen und historischen Kaufpreisen, Mietniveaus, Leerstandsquoten, wirtschaftlichen Kennzahlen der Region und bautechnischen Standards.
- Auswertung von Kaufpreissammlungen und Marktberichten
- Nutzung von Datenbanken zu Mieten und Renditen
- RegelmĂ€Ăige Aktualisierung der Bewertungsparameter
Die kontinuierliche Marktbeobachtung ermöglicht es, langfristige Trends zu erkennen und den Beleihungswert so zu bestimmen, dass er die nachhaltige Entwicklung des Marktes angemessen widerspiegelt.
Besondere Konstellationen und Herausforderungen
Die Ermittlung des Beleihungswert kann in bestimmten Konstellationen mit besonderen Herausforderungen verbunden sein. Dies betrifft insbesondere Objekte mit eingeschrÀnkter MarktgÀngigkeit oder stark schwankender Ertragslage.
Spezialimmobilien
Spezialimmobilien wie Hotels, Pflegeheime, Freizeitparks oder Produktionsanlagen sind hÀufig stark von der Nutzung durch einen bestimmten Betreiber abhÀngig. Dies erschwert die EinschÀtzung eines langfristig tragfÀhigen Beleihungswert.
- Starke Bindung an ein spezielles Nutzungskonzept
- Geringere Zahl potenzieller KĂ€ufer im Verwertungsfall
- Höheres Risiko bei Betreiberwechsel oder MarkteinbrĂŒchen
In solchen FĂ€llen werden bei der Ermittlung des Beleihungswert oft zusĂ€tzliche SicherheitsabschlĂ€ge angesetzt, um die erhöhte Unsicherheit angemessen zu berĂŒcksichtigen.
Marktzyklen und PreisĂŒbertreibungen
ImmobilienmĂ€rkte unterliegen langfristigen Zyklen und können Phasen von Ăbertreibungen nach oben oder unten durchlaufen. Der Beleihungswert soll diese Schwankungen nicht vollstĂ€ndig abbilden, sondern sie durch eine vorsichtige Betrachtung der langfristigen Entwicklung glĂ€tten.
- In Boomphasen wird ein ĂŒbermĂ€Ăiger Anstieg der Beleihungswerte vermieden
- In Krisenzeiten soll der Beleihungswert nicht in gleichem MaĂe wie die Marktpreise fallen
- Langfristige Durchschnittswerte und strukturelle Trends sind wichtiger als kurzfristige AusschlÀge
Auf diese Weise trĂ€gt der Beleihungswert dazu bei, dass Kreditentscheidungen nicht ausschlieĂlich von momentanen Marktstimmungen abhĂ€ngen, sondern auf einer stabilen, langfristigen Perspektive beruhen.
Transparenz und Nachvollziehbarkeit
FĂŒr die Akzeptanz des Beleihungswert bei allen Beteiligten ist es wichtig, dass die angewandten Methoden und Annahmen nachvollziehbar sind. Kreditnehmer sollten verstehen können, wie der Wert zustande kommt und warum er sich möglicherweise vom Kaufpreis oder vom subjektiv erwarteten Wert unterscheidet.
Dokumentation des Bewertungsprozesses
Der Prozess zur Ermittlung des Beleihungswert wird in der Regel umfassend dokumentiert. Dazu gehören Angaben zu den verwendeten Datenquellen, den gewÀhlten Bewertungsverfahren, den getroffenen Annahmen und den vorgenommenen SicherheitsabschlÀgen.
- Nachvollziehbarkeit der einzelnen Berechnungsschritte
- Transparente Darstellung der Einflussfaktoren
- Möglichkeit der internen und externen ĂberprĂŒfung
Eine sorgfĂ€ltige Dokumentation stĂ€rkt das Vertrauen in den ermittelten Beleihungswert und erleichtert die spĂ€tere ĂberprĂŒfung oder Aktualisierung der Bewertung.
Kommunikation mit Kreditnehmern
Auch wenn der Beleihungswert primĂ€r ein Instrument der Kreditinstitute ist, profitieren Kreditnehmer von einer verstĂ€ndlichen ErlĂ€uterung. Eine offene Kommunikation ĂŒber die Grundlagen und Grenzen des Beleihungswert kann dazu beitragen, unrealistische Erwartungen zu vermeiden und die Finanzierungsplanung auf eine solide Basis zu stellen.
- ErklÀrung der Unterschiede zwischen Kaufpreis, Verkehrswert und Beleihungswert
- Darstellung der Auswirkungen auf Kredithöhe und Konditionen
- Hinweis auf die Bedeutung von Eigenkapital und Risikopuffer
So wird der Beleihungswert nicht nur zu einer internen Kennzahl des Kreditinstituts, sondern zu einem verstĂ€ndlichen Orientierungspunkt fĂŒr alle Beteiligten.
Zusammenfassende Einordnung
Der Beleihungswert ist ein wesentliches Instrument zur Sicherung einer nachhaltigen Kreditvergabe im Immobilienbereich. Er verbindet immobilienwirtschaftliche Bewertungsverfahren mit aufsichtsrechtlichen Vorgaben und risikoorientierten Ăberlegungen der Kreditinstitute. Dabei verfolgt er das Ziel, einen Wert zu bestimmen, der auch unter verĂ€nderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit erzielbar bleibt. Im Unterschied zu Markt und Kaufpreisen, die von kurzfristigen Stimmungen und individuellen Verhandlungssituationen geprĂ€gt sein können, steht beim Beleihungswert die langfristige Werthaltigkeit im Mittelpunkt. FĂŒr Kreditgeber bildet er die Grundlage, um die RisikotragfĂ€higkeit der vergebenen Darlehen zu beurteilen, die Beleihungsgrenzen festzulegen und die Eigenkapitalunterlegung angemessen zu steuern. FĂŒr Kreditnehmer ist er entscheidend fĂŒr die maximale Kredithöhe, die erforderliche Eigenkapitalquote und die Konditionen der Finanzierung. Durch die Anwendung etablierter Bewertungsverfahren, die BerĂŒcksichtigung von Lage, Zustand, Nutzung und Ertragskraft sowie die systematische Einbeziehung von SicherheitsabschlĂ€gen entsteht ein Wert, der zwar konservativ, jedoch nicht beliebig ist. Der Beleihungswert ist damit ein zentraler Ankerpunkt im Zusammenspiel von Immobilienmarkt und Kreditwirtschaft, der dazu beitrĂ€gt, Risiken zu begrenzen, Transparenz zu fördern und die StabilitĂ€t langfristiger Finanzierungen zu sichern.
HĂ€ufige Fragen zu âBeleihungswertâ
Der Beleihungswert ist der vorsichtig geschĂ€tzte Wert einer Immobilie, den die Bank als Grundlage fĂŒr ein Darlehen nimmt. Er liegt meist unter dem aktuellen Marktwert, weil die Bank nur den Teil berĂŒcksichtigt, der langfristig und unabhĂ€ngig von Preisschwankungen erzielbar ist.
Der Kaufpreis oder Marktwert ist das, was KĂ€ufer und VerkĂ€ufer aktuell am Markt vereinbaren. Der Beleihungswert ist dagegen der Sicherheitswert fĂŒr die Bank, bei dem mögliche zukĂŒnftige Wertschwankungen vorsichtig einkalkuliert und eher pessimistisch bewertet werden.
Die Bank finanziert in der Regel nur einen bestimmten Prozentsatz des Beleihungswerts, die sogenannte Beleihungsgrenze. Je höher der Beleihungswert im VerhÀltnis zum Kaufpreis und je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto bessere Konditionen können Sie in vielen FÀllen erhalten.
Der Beleihungswert wird von der Bank oder einem von ihr beauftragten Gutachter nach gesetzlichen Vorgaben und internen Richtlinien ermittelt. Dabei flieĂen Faktoren wie Lage, Zustand, Nutzung und langfristige Wertentwicklung der Immobilie in eine standardisierte Bewertung ein.
Der Beleihungswert entscheidet mit darĂŒber, wie viel Kredit Sie fĂŒr eine Immobilie bekommen und zu welchen Zinsen. Er hilft Ihnen auĂerdem einzuschĂ€tzen, wie die Bank das Risiko der Finanzierung beurteilt und wie viel Eigenkapital Sie voraussichtlich einbringen sollten.

