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Bauhausstil

Entdecken Sie den Bauhausstil – die klare, funktionale Verbindung von Kunst, Design und Architektur.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff Bauhausstil bezeichnet eine einflussreiche gestalterische Richtung in Architektur, Design und Kunst, die aus der 1919 von Walter Gropius in Weimar gegrĂŒndeten Kunstschule Bauhaus hervorging. Der Bauhausstil verbindet kĂŒnstlerische KreativitĂ€t mit handwerklicher PrĂ€zision und industriellen Produktionsmethoden. Er strebt nach funktionalen, klar strukturierten und Ă€sthetisch reduzierten Formen und hat die Gestaltung des 20. Jahrhunderts grundlegend geprĂ€gt. Charakteristisch fĂŒr den Bauhausstil sind die Konzentration auf das Wesentliche, die Ablehnung ĂŒberflĂŒssiger Dekoration, die Orientierung an geometrischen Grundformen sowie die enge Verbindung von Kunst, Technik und Gesellschaft.

Begriff und Grundidee des Bauhausstils

Der Bauhausstil ist weniger ein fest umrissenes Formenvokabular als eine gestalterische Haltung. Im Zentrum steht die Idee, dass jedes Objekt des tĂ€glichen Lebens bewusst gestaltet werden soll. Architektur, Möbel, Textilien, Grafik und GebrauchsgegenstĂ€nde werden im Bauhausstil als zusammenhĂ€ngendes Ganzes verstanden. Diese Einheit von Form und Funktion basiert auf der Überzeugung, dass gutes Design das Leben der Menschen verbessern und zu einer modernen, aufgeklĂ€rten Gesellschaft beitragen kann.

Der Bauhausstil folgt dem Prinzip, dass die Form aus der Funktion hervorgeht. Ein GebĂ€ude, ein Stuhl oder eine Lampe soll zunĂ€chst zuverlĂ€ssig, praktisch und nutzerfreundlich sein. Erst aus diesen Anforderungen ergibt sich die Gestalt. In dieser Perspektive wird Gestaltung zu einem rational begrĂŒndeten Prozess. Die bewusste Reduktion auf klare Linien, ausgewogene Proportionen und logische Strukturen ist deshalb ein zentrales Kennzeichen des Bauhausstils.

Abgrenzung zu anderen Stilrichtungen

Der Bauhausstil grenzt sich deutlich von historisierenden und ornamental geprĂ€gten Stilrichtungen ab, die vor dem Ersten Weltkrieg verbreitet waren. WĂ€hrend etwa der Jugendstil mit schwungvollen Linien und floralen Motiven arbeitet, setzt der Bauhausstil auf geometrische Klarheit und visuelle Ruhe. Er verzichtet bewusst auf dekorative Elemente, die keine funktionale Aufgabe erfĂŒllen. Dies unterscheidet ihn auch von reprĂ€sentativen Architekturstilen, die auf MonumentalitĂ€t und symbolische Zitate aus der Vergangenheit setzen.

Gleichzeitig ist der Bauhausstil nicht mit kalter NĂŒchternheit gleichzusetzen. Viele EntwĂŒrfe zeigen, dass Reduktion und funktionale Strenge mit rĂ€umlicher GroßzĂŒgigkeit, lebendigen Farbkonzepten und sorgfĂ€ltig gestalteten Details verbunden werden können. So entsteht eine sachliche, aber dennoch menschliche und offene AtmosphĂ€re.

Historische Entwicklung

Die Entstehung des Bauhausstils ist eng mit den politischen und gesellschaftlichen UmbrĂŒchen nach dem Ersten Weltkrieg verbunden. Die GrĂŒndung des Bauhauses in Weimar im Jahr 1919 verfolgte das Ziel, Kunst und Handwerk zu vereinen und eine neue, sozial verantwortliche Gestaltungskultur zu etablieren. Diese Kultur sollte den BedĂŒrfnissen einer industriell geprĂ€gten Gesellschaft entsprechen und zugleich demokratische Werte widerspiegeln.

FrĂŒhe Phase in Weimar

In der Anfangszeit war der Bauhausstil noch nicht vollstĂ€ndig ausgebildet. Expressionistische EinflĂŒsse, experimentelle Formen und eine starke Orientierung an der handwerklichen Tradition prĂ€gten die ersten Jahre. Dennoch entstanden bereits grundlegende Ideen, die spĂ€ter fĂŒr den Bauhausstil typisch wurden. Dazu gehörten die interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit verschiedener WerkstĂ€tten, die Betonung des Vorkurses als EinfĂŒhrung in elementare Gestaltungsprinzipien sowie der Anspruch, Prototypen fĂŒr die industrielle Serienproduktion zu entwickeln.

Die Lehrenden und Studierenden in Weimar experimentierten mit neuen Materialien, Farbtheorien und Raumkonzepten. Der Bauhausstil formte sich Schritt fĂŒr Schritt aus diesen Versuchen. Die Auseinandersetzung mit moderner Technik, mit Stahl, Glas und Beton, aber auch mit seriellen Fertigungsprozessen zeigte frĂŒh, dass Gestaltung nicht mehr allein im handwerklichen EinzelstĂŒck bestehen konnte, sondern auf Wiederholbarkeit und rationelle Herstellung zielen musste.

Entwicklung in Dessau und Berlin

Mit dem Umzug des Bauhauses nach Dessau im Jahr 1925 erhielt der Bauhausstil sein prĂ€gnantes Profil. Die neue Schularchitektur mit klar gegliederten Baukörpern, großzĂŒgigen Glasfassaden und funktional geordneten RĂ€umen wurde zu einem sichtbaren Manifest der neuen Gestaltungsauffassung. In Dessau wurden zahlreiche Möbel, Leuchten und GebrauchsgegenstĂ€nde entworfen, die den Bauhausstil international bekannt machten.

Die spĂ€te Phase in Berlin ab 1932 war von politischen Konflikten und der zunehmenden Bedrohung durch den Nationalsozialismus geprĂ€gt. Dennoch setzte sich der Bauhausstil im internationalen Kontext weiter durch. Viele Lehrende und Absolventen emigrierten und trugen ihre Ideen in die Vereinigten Staaten, nach Israel, in die Sowjetunion und in andere LĂ€nder. Auf diese Weise wirkte der Bauhausstil weit ĂŒber die relativ kurze Existenz der Institution hinaus.

Gestaltungsprinzipien des Bauhausstils

Die zentralen Gestaltungsprinzipien des Bauhausstils lassen sich in mehreren Kernpunkten zusammenfassen. Sie betreffen Form, Funktion, Materialwahl, Farbgebung und die Beziehung zwischen Einzelobjekt und Gesamtraum.

Form und Funktion

Im Bauhausstil gilt der Grundsatz, dass die Form aus der Funktion hervorgeht. Ein Objekt wird zunĂ€chst hinsichtlich seines Gebrauchs analysiert. Daraus leiten sich GrĂ¶ĂŸe, Proportion, Konstruktion und Anordnung der einzelnen Elemente ab. Die Gestaltung verzichtet auf alles, was den Gebrauch nicht unterstĂŒtzt. Dies fĂŒhrt zu einer klaren, oft geometrisch bestimmten Formensprache. Rechteck, Quadrat, Kreis und einfache Volumenkörper bilden die Basis vieler EntwĂŒrfe.

Der Bauhausstil versteht Gestaltung als logische Folge des praktischen Bedarfs, nicht als BĂŒhne fĂŒr willkĂŒrliche Effekte.

Gleichzeitig wird die Ergonomie berĂŒcksichtigt. StĂŒhle sollen bequem, Tische gut nutzbar, Leuchten effizient sein. Diese Verbindung von rationaler Strenge und menschlicher MaßstĂ€blichkeit trĂ€gt dazu bei, dass der Bauhausstil bis heute als zeitgemĂ€ĂŸ empfunden wird.

Material und Konstruktion

Ein weiteres Merkmal des Bauhausstils ist die Ehrlichkeit im Umgang mit Materialien und Konstruktion. Tragende Elemente sollen sichtbar bleiben, OberflĂ€chen sollen ihre MaterialitĂ€t zeigen. Statt schwere Verkleidungen zu verwenden, werden Stahl, Beton, Holz und Glas in ihrer eigenen Struktur und Farbe eingesetzt. Dies fĂŒhrt zu einer transparenten und nachvollziehbaren Architektur und zu Produkten, deren Aufbau erkennbar ist.

  • Stahlrohr fĂŒr Möbelgestelle
  • Glas fĂŒr großflĂ€chige Fassaden und Raumtrennungen
  • Beton fĂŒr tragende Bauteile und klare Baukörper
  • Holz fĂŒr OberflĂ€chen mit warmer Haptik

Im Bauhausstil werden diese Materialien nicht zufÀllig kombiniert, sondern nach technischen und Àsthetischen Kriterien ausgewÀhlt. Die Konstruktion soll logisch, wirtschaftlich und dauerhaft sein. Serienfertigung und modulare Systeme spielen eine wichtige Rolle, da sie eine breite Verbreitung gut gestalteter Produkte ermöglichen.

Farbe und OberflÀche

Die Farbgestaltung im Bauhausstil folgt einer klaren Ordnung. HĂ€ufig werden neutrale FlĂ€chen in Weiß, Grau oder gedeckten Tönen mit Akzenten in krĂ€ftigen Grundfarben kombiniert. Rot, Blau und Gelb dienen nicht nur der Dekoration, sondern ĂŒbernehmen orientierende und strukturierende Funktionen. Sie markieren EingĂ€nge, betonen konstruktive Elemente oder gliedern FlĂ€chen.

OberflĂ€chen werden meist glatt, pflegeleicht und ohne ĂŒberflĂŒssige Texturen ausgefĂŒhrt. Dies entspricht dem Anspruch auf Hygiene, Klarheit und einfache Reinigung. Gleichzeitig eröffnet die reduzierte OberflĂ€che Raum fĂŒr Licht und Schatten, die im Bauhausstil als wichtige gestalterische Mittel gelten.

Anwendungsbereiche des Bauhausstils

Der Bauhausstil umfasst ein breites Spektrum von Anwendungsbereichen. Er reicht von der Architektur ĂŒber Innenraumgestaltung und Möbelbau bis hin zu Grafikdesign, Typografie und Produktgestaltung fĂŒr den Alltag.

Architektur

In der Architektur Ă€ußert sich der Bauhausstil in klaren Baukörpern, flachen DĂ€chern, großen FensterflĂ€chen und rational organisierten Grundrissen. Die GebĂ€ude werden nach funktionalen Anforderungen gegliedert. Wohnbereiche, ArbeitsrĂ€ume und VerkehrsflĂ€chen werden logisch angeordnet, um kurze Wege, gute Belichtung und flexible Nutzung zu ermöglichen.

Typisch sind:

  • kubische Bauformen mit klarer Volumengliederung
  • Bandfenster oder großflĂ€chige Verglasungen
  • freie Grundrisse mit flexiblen Raumteilungen
  • Verzicht auf historische Ornamente zugunsten konstruktiver Details

Der Bauhausstil in der Architektur versucht, ein ausgewogenes VerhÀltnis zwischen FunktionalitÀt, Wirtschaftlichkeit und Àsthetischer QualitÀt zu schaffen. Wohnbauten, Schulen, WerkstÀtten und VerwaltungsgebÀude wurden nach denselben Prinzipien geplant. Auf diese Weise entstand ein einheitliches, aber nicht monotones Erscheinungsbild, das sich deutlich von traditionellen Bauweisen unterschied.

Möbel und Innenraumgestaltung

Im Bereich der Möbel und InnenrĂ€ume zeigt sich der Bauhausstil in leichten, oft stapelbaren oder zerlegbaren Konstruktionen. Stahlrohrmöbel mit klaren Linien, einfache Holztische und funktionale SchrĂ€nke ohne ĂŒberladene Verzierungen sind charakteristisch. Die Möbel sollen sich unaufdringlich in den Raum einfĂŒgen und diesen nicht dominieren.

Die Innenraumgestaltung folgt ebenfalls funktionalen Kriterien. RÀume werden offen, flexibel und lichtdurchflutet geplant. Mobile TrennwÀnde, eingebaute Möbel und durchdachte Beleuchtungssysteme ermöglichen unterschiedliche Nutzungen. Im Bauhausstil wird der Raum als Ganzes gestaltet, nicht nur als Ansammlung einzelner Objekte. Wandfarben, BodenbelÀge, Möbel und Leuchten werden aufeinander abgestimmt, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen.

Grafikdesign und Typografie

Auch im Grafikdesign hat der Bauhausstil deutliche Spuren hinterlassen. Klare Raster, asymmetrische Anordnungen, sachliche Schriften und eine begrenzte Farbpalette prĂ€gen Plakate, BroschĂŒren und Buchgestaltungen. Lesbarkeit und Informationsstruktur stehen im Vordergrund. Dekorative Schriften und verspielte Ornamente werden zugunsten einer klaren, funktionalen Typografie zurĂŒckgestellt.

Die Gestaltung von Schrift und Bild folgt im Bauhausstil denselben Prinzipien wie Architektur und Produktdesign. Jede Linie, jede FlĂ€che und jede Farbe soll eine Aufgabe erfĂŒllen, sei es der Hervorhebung, der Orientierung oder der Strukturierung von Informationen.

Soziale und kulturelle Bedeutung

Der Bauhausstil ist nicht nur eine formale Gestaltungsrichtung, sondern Ausdruck eines umfassenden kulturellen Programms. Er verbindet soziale Verantwortung, technische Innovation und kĂŒnstlerische Freiheit. Ziel ist eine Gestaltung, die fĂŒr breite Bevölkerungsschichten zugĂ€nglich ist und die LebensqualitĂ€t im Alltag verbessert.

Demokratisierung von Gestaltung

Ein wichtiges Anliegen des Bauhausstils ist die Demokratisierung von Gestaltung. Gute Architektur und funktionale Produkte sollen nicht nur einer wohlhabenden Elite vorbehalten sein. Durch standardisierte Bauelemente, serielle Möbelproduktion und rationelle Fertigungsmethoden sollen qualitativ hochwertige Lösungen zu erschwinglichen Preisen angeboten werden.

Damit verbunden ist die Vorstellung, dass Gestaltung ein öffentliches Anliegen ist. Im Bauhausstil wird der Gestalter als verantwortliche Person gesehen, die in die Gesellschaft hineinwirkt. Er oder sie soll nicht nur Ă€sthetische Vorlieben bedienen, sondern konkrete BedĂŒrfnisse erkennen und darauf reagieren.

Bezug zur Moderne

Der Bauhausstil steht exemplarisch fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis der Moderne. Fortschrittsglaube, RationalitĂ€t und die Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen prĂ€gen seine Grundhaltung. Gleichzeitig wird die Bedeutung der sinnlichen Erfahrung betont. Licht, Raum, Material und Farbe sollen bewusst wahrgenommen werden und eine klare, aber nicht kĂŒhle AtmosphĂ€re schaffen.

In diesem Sinn versteht sich der Bauhausstil als BrĂŒcke zwischen Kunst und Alltag. Er wendet sich gegen die Trennung von freier Kunst und angewandter Gestaltung und versucht, beide Bereiche produktiv zu verbinden. Das Kunstwerk soll nicht isoliert im Museum stehen, sondern in die Gestaltung von Wohnungen, ArbeitsplĂ€tzen und öffentlichen RĂ€umen einfließen.

Einfluss und Nachwirkung

Die Wirkung des Bauhausstils reicht weit ĂŒber die unmittelbare Zeit der Bauhausschule hinaus. Viele Prinzipien wurden von spĂ€teren Strömungen der Moderne aufgegriffen und weiterentwickelt. In der Nachkriegszeit prĂ€gte der Bauhausstil maßgeblich den internationalen Stil der Architektur, der in vielen GroßstĂ€dten sichtbar ist.

Internationale Verbreitung

Durch Emigration und internationale Kooperation verbreitete sich der Bauhausstil in zahlreiche LĂ€nder. In den Vereinigten Staaten beeinflusste er die Entwicklung von Hochschulen fĂŒr Architektur und Design ebenso wie den industriellen Möbelbau. In Israel prĂ€gte er die Gestaltung von Wohnvierteln und öffentlichen GebĂ€uden. In vielen europĂ€ischen LĂ€ndern diente der Bauhausstil als Referenz fĂŒr den Wiederaufbau und fĂŒr neue Wohnsiedlungen.

Auch in der Designausbildung wurde der Bauhausstil zu einem zentralen Bezugspunkt. Vorkurse, interdisziplinÀre Projekte und die enge Verbindung von Theorie und Praxis sind Elemente, die bis heute in vielen GestaltungsstudiengÀngen zu finden sind.

Rezeption in der Gegenwart

In der Gegenwart erfĂ€hrt der Bauhausstil eine anhaltende WertschĂ€tzung. Viele seiner Möbelklassiker werden noch immer produziert, GebĂ€ude im Bauhausstil stehen unter Denkmalschutz und dienen als Anschauungsobjekte fĂŒr eine moderne, funktionale Architektur. Gleichzeitig werden seine Prinzipien kritisch diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit, soziale Durchmischung und kulturelle Vielfalt.

Die klare Formensprache, die Konzentration auf das Wesentliche und die Offenheit fĂŒr technische Innovationen machen den Bauhausstil jedoch weiterhin zu einer relevanten Referenz. In der digitalen Gestaltung, im Interface Design und in der Entwicklung von Alltagsprodukten finden sich zahlreiche AnknĂŒpfungspunkte an seine Grundideen.

Kritische Perspektiven

Obwohl der Bauhausstil vielfach positiv bewertet wird, gibt es auch kritische Stimmen. Einige sehen in der strengen FunktionalitĂ€t die Gefahr einer Vereinheitlichung und Entpersönlichung von LebensrĂ€umen. Andere weisen darauf hin, dass der Anspruch auf AllgemeingĂŒltigkeit kulturelle Unterschiede und individuelle BedĂŒrfnisse zu wenig berĂŒcksichtigt.

Vorwurf der KÀlte und AnonymitÀt

Kritiker beschreiben den Bauhausstil gelegentlich als kĂŒhl und anonym. Sie bemĂ€ngeln, dass die Reduktion auf einfache Formen und neutrale Farben zu einer gewissen Austauschbarkeit fĂŒhren könne. In manchen Umsetzungen seien Wohnbauten im Bauhausstil zu schematisch geplant worden, was soziale Probleme verstĂ€rkt habe.

DemgegenĂŒber lĂ€sst sich einwenden, dass solche Entwicklungen hĂ€ufig eher auf ökonomische ZwĂ€nge und vereinfachte Umsetzungen zurĂŒckzufĂŒhren sind als auf die ursprĂŒnglichen Ideen des Bauhausstils. Die historische Bauhausbewegung betonte ausdrĂŒcklich die Verbindung von FunktionalitĂ€t und menschlicher MaßstĂ€blichkeit sowie die Bedeutung von Tageslicht, Luft und FreirĂ€umen.

AktualitÀt im Kontext von Nachhaltigkeit

Im Kontext heutiger Nachhaltigkeitsdebatten wird der Bauhausstil neu bewertet. Seine Orientierung an langlebigen Materialien, klaren Konstruktionen und rationalen Grundrissen kann als Beitrag zu ressourcenschonendem Bauen verstanden werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich seine Prinzipien mit ökologischen Baustoffen, regionalen Bautraditionen und partizipativen Planungsprozessen verbinden lassen.

In aktuellen Projekten wird versucht, den Bauhausstil nicht einfach zu kopieren, sondern seine Haltung weiterzuentwickeln. Die Idee, Gestaltung als verantwortungsvolle Aufgabe gegenĂŒber Gesellschaft und Umwelt zu begreifen, bleibt dabei ein zentraler Bezugspunkt.

Merkmale im Überblick

Zur Orientierung lassen sich die wichtigsten Merkmale des Bauhausstils in komprimierter Form zusammenfassen. Diese Übersicht dient dazu, typische Gestaltungsentscheidungen zu erkennen und einzuordnen.

Formale Merkmale

  • klare, meist geometrische Formen ohne ĂŒberflĂŒssige Verzierungen
  • funktional begrĂŒndete Gliederung von Baukörpern und Produkten
  • offene, flexibel nutzbare Grundrisse
  • symmetrische oder bewusst asymmetrische, aber ausgewogene Kompositionen

Materielle und konstruktive Merkmale

  • Einsatz moderner Materialien wie Stahl, Glas und Beton
  • sichtbare Konstruktion und ehrlicher Umgang mit Tragstrukturen
  • Serienfertigung und modulare Systeme zur Kostensenkung
  • glatte, pflegeleichte OberflĂ€chen mit klarer Materialwirkung

Funktionale und soziale Merkmale

  • Orientierung an den BedĂŒrfnissen der Nutzerinnen und Nutzer
  • Verzicht auf dekorative Elemente ohne praktischen Nutzen
  • Ziel einer breiten ZugĂ€nglichkeit durch wirtschaftliche Produktion
  • Verbindung von kĂŒnstlerischer QualitĂ€t und technischer Effizienz

Bedeutung des Begriffs heute

Heute wird der Begriff Bauhausstil in unterschiedlichen ZusammenhĂ€ngen verwendet. In der Fachliteratur bezeichnet er eine historisch konkret verortete Richtung der klassischen Moderne, die sich auf die Bauhausschule und ihr Umfeld bezieht. Im allgemeinen Sprachgebrauch dient der Begriff Bauhausstil hĂ€ufig als Sammelbezeichnung fĂŒr sachliche, reduzierte und funktionale Gestaltung, auch wenn diese nicht direkt mit dem historischen Bauhaus verbunden ist.

Diese doppelte Verwendung macht es notwendig, den Kontext zu beachten. In der Architekturgeschichte meint Bauhausstil eine klar umrissene Epoche mit bestimmten Protagonisten, Bauten und Objekten. Im AlltagsverstĂ€ndnis steht der Begriff Bauhausstil eher fĂŒr eine Haltung, die Ordnung, Klarheit und FunktionalitĂ€t betont. In beiden FĂ€llen bleibt die Verbindung von Form und Zweck, von Gestaltung und gesellschaftlicher Verantwortung ein zentrales Motiv.

Zusammenfassend lĂ€sst sich sagen, dass der Bauhausstil weit mehr ist als ein modischer Trend. Er bildet ein grundlegendes Kapitel der Design und Architekturgeschichte und wirkt durch seine Prinzipien bis in die Gegenwart. Die Idee, dass sorgfĂ€ltig gestaltete RĂ€ume und GegenstĂ€nde das Leben der Menschen verbessern können, verleiht dem Bauhausstil eine anhaltende AktualitĂ€t. Indem er Kunst, Technik und Alltag in eine bewusste Beziehung setzt, eröffnet er einen Weg zu einer Gestaltungskultur, die sowohl rational begrĂŒndet als auch sinnlich erfahrbar ist und damit einen bleibenden Beitrag zum VerstĂ€ndnis moderner Lebensformen leistet.

HĂ€ufige Fragen zu „Bauhausstil“

Der Bauhausstil ist eine einflussreiche Gestaltungsrichtung des 20. Jahrhunderts, die Kunst, Handwerk und Technik verbindet. Er steht fĂŒr klare Formen, FunktionalitĂ€t und den Verzicht auf ĂŒberflĂŒssigen Schmuck. Ziel war es, schöne und zugleich praktische AlltagsgegenstĂ€nde und GebĂ€ude fĂŒr viele Menschen zugĂ€nglich zu machen.

BauhausgebĂ€ude haben meist eine schlichte, klare Formensprache mit rechtwinkligen Grundformen und flachen DĂ€chern. Die Fassaden sind oft weiß oder in neutralen Farben gehalten und große FensterflĂ€chen lassen viel Licht in die RĂ€ume. Verzierungen sind selten, stattdessen liegt der Fokus auf Funktion und Proportion.

Der Bauhausstil entstand ab 1919 an der Kunstschule Bauhaus, die zunĂ€chst in Weimar, spĂ€ter in Dessau und Berlin ansĂ€ssig war. GegrĂŒndet wurde sie von Walter Gropius, einem deutschen Architekten. Obwohl das Bauhaus nur bis 1933 bestand, verbreiteten sich seine Ideen weltweit.

Typische Bauhausmöbel sind schlicht, funktional und oft aus Stahlrohr, Leder oder Holz gefertigt. Bekannte Beispiele sind der Freischwinger Stuhl von Marcel Breuer oder der Barcelona Sessel von Ludwig Mies van der Rohe. Die Möbel wirken leicht, reduziert und sind meist in klaren Farben gehalten.

Der Bauhausstil hat die moderne Architektur und das Produktdesign nachhaltig geprĂ€gt. Viele heutige GebĂ€ude und Alltagsprodukte folgen noch immer dem Prinzip Form folgt Funktion. Außerdem steht das Bauhaus fĂŒr einen demokratischen Designgedanken, der gutes Design fĂŒr möglichst viele Menschen zugĂ€nglich machen möchte.

Kersten Streit, Leitung Immobilienvermittlung, Immobilien Experten
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